MZ Trommelbremsen optimieren -2-

 

Erfahrungen mit den MZ-Bremsen nach 6.000 km Alltagsbetrieb

Manchmal muss man im Leben auch einfach mal Glück haben. Nach 6000 km mit den Original Bremsbelägen wollte ich die Trommelbremse der MZ vorne einfach prüfen / säubern und 1mm Bremsunterlagen aus Stahl montieren, da sich der Bremshebel trotz starker Vorspannung fast bis an den Lenkergriff ziehen ließ. Und dieses Phänomen hatte einen gefährlichen Grund, da ich bei richtig festem Zupacken des Bremshebels bemerkte, dass der Bowdenzug immer mehr nachgab: Der Nippel hatte sich aus dem Bremsseil gelöst und ist einfach vom Bowdenzug heruntergerutscht. Mir lief es kalt den Rücken runter - sowas darf einfach nicht passieren, bei der nächsten Vollbremsung hätte ich mit ziemlicher Sicherheit ins Leere gegriffen.

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Diese lebenswichtige Verbindung hatte ich wie alle Bowdenzüge am Motorrad vorher mal getauscht - dachte ich zumindest. Trotz intensiver Rechnungsrecherche konnte ich keinen Hinweis darauf finden, den vorderen Bowdenzug vorher selbst mal irgendwo gekauft und getauscht zu haben. Vielleicht war es doch ein uraltes Exemplar? Verdächtigerweise hatte ich noch einen neuen Ersatz-Bowdenzug im Schrank herumfliegen. Also vielleicht doch noch nie gewechselt... Diese Geschichte wollte ich eigentlich gar keinem erzählen, aber ich finde sie gehört als wichtige Erfahrung genau hierhin.



Der Nippel des Bremsbowdenzugs ist von einem Tag auf den anderen einfach von der Seele gerutscht. Links im Bild beide Enden des Bowdenzugs nach dem Ausbau, rechts bzw. unten eine Nahaufnahme des Stahlseils. Von sichtbaren Lötspuren keine Spur, vielleicht war der Zug gar nicht verlötet sondern nur stumpf geklemmt? Aus diesem Grund sollte man Bremsbowdenzüge jedenfalls nie selbst löten, außer das entsprechnde Know-how ist vorhanden. Ich persönlich verwende jetzt nur noch Qualitäts-Bowdenzüge und sehe mir diese vor dem Einbau ins Motorrad ganz genau an.



 

MZ Vorderradbremse nach 6.000 km



Die englischen Ferodo Beläge liegen mittlerweile fast komplett an der Bremstrommel an. Sie haben sich nahezu perfekt eingeschliffen. Das Tragbild ist gut, es gibt auch keine verglasten Flächen an denen die Beläge punktuell zu heiß geworden sind. Die Bremsleistung der Vorderradbremse könnte nach meinem Geschmack insgesamt aber trotzdem noch etwas besser sein. Es fehlt einfach der richige Biss. Ich werde noch andere Beläge (alte Original-MZ- Bremsbeläge, siehe weiter unten) ausprobieren und zunächst weiterhin mit viel Abstand fahren.



Auch das Tragbild der Nabe sieht gut aus. Es gibt kaum Riefen zu sehen oder zu fühlen. Außerdem ist die Nabe von innen bemerkenswert sauber. Die Ferodo-Beläge erzeugen wenig Bremsstaub. Rechts im Bild sind nochmal neu gekaufte 1mm Bremsunterlagen zu erkennen, mit denen ich die Vorspannung des Bowdenzugs verringern wollte. Die Bremsankerplatte mit den auf 2 mm vorgespreizten Belägen passte aber nicht mehr in die Nabe. Sogar mit nur einer Bremsunterlage war der Durchmesser noch zu groß. Ich schließe daraus, dass die MZ Nabe daher noch kaum verschlissen ist - die Bremsbeläge selbst natürlich auch nicht.

Der neue Bremsbowdenzug musste bei der Montage nicht mehr so stark vorgespannt werden. Die Rändelschraube steckt noch gut zur Hälfte im Bremshebel am Lenker. Nach der Montage musste ich die Vorderradbremse mit ein paar Gewaltbremsungen über 50 km erst wieder einbremsen, bis sie eine halbwegs akzeptable Bremswirkung hatte. Nun suchte ich noch bessere Bremsbeläge mit einem höheren Reibwert zwischen Bremstrommel und den Bremsbelägen. Ein Forumfreund gab mir den Tipp, es einfach mal mit den alten MZ-Originalbremsbelägen zu versuchen.


 

Test: Einbau von MZ Original-Bremsbelägen gegenüber den Ferodo-Bremsbelägen



Bei alten Motorrädern ist nicht nur der Zustand der Bremsbeläge interessant, sondern auch der Innendurchmesser der Nabe. Meine Messungen ergaben: MZ Vorderradnabe 160,5 mm und MZ Hinterradnabe 161 mm. Im Klartext bedeutet das: Vorn ist das maximale Verschleißmaß gerade noch zu tolerieren, hinten liegt es schon 0,5 mm über dem Sollmaß von max. 160,4 - zumindest laut dem MZ Buch von Neuber / Müller. Da auch neuwertige MZ Bremstrommeln für das über 40 Jahre alte Motorrad nicht mehr ganz so leicht zu bekommen sind, werde ich die Brembeläge hinten mittig wahrscheinlich wieder etwas abfeilen müssen, um den höheren Verschleiß der Nabe geometrisch auszugleichen.



Die guten alten Original-MZ-Bremsbeläge sind natürlich auch im Laden nicht mehr so einfach zu bekommen. Sie unterscheiden sich von den Ferodo-Bremsbelägen insbesondere durch Ihre hellbraune-blassrosa Farbe. Es gibt auch Exemplare in dunkleren Rotbrauntönen, die aber in der Bremswirkung nicht ganz so gut sein sollen als die hellen Beläge.



Original-MZ-Bremsbeläge mit Ersatzteil-Nummer. Rechts nochmal die mit Bremsenreiniger gesäuberte Nabe. Beim Einsetzen der Bremsbeläge auf die Zapfen der Bremsankerplatte fällt mir ein deutlich kleineres Spiel der MZ-Beläge auf. Die Bohrungen sind passgenauer als bei Ferodo und sie sitzen sehr stramm auf der Bremsankerplatte, drehen sich aber durch die dünn aufgetragene Kupferpaste noch leicht.



Bei Trommelbrembelägen sollte man darauf achten, dass Sie oben und unten eine 45-Grad Phase quer zur Laufrichtung haben. Fehlt diese, sollte sie angefeilt werden (achtung evtl. asbesthaltiges Material - keinesfalls einatmen!!). Rechts sieht man die komplette Trommelbremse zum Einbau bereit, die zur leichteren Montage mit eingehängtem Bowdenzug auf einer umgedrehten Getränkekiste zusammengesetzt wurde. Die Trommelbremse habe ich mit den neuen Belägen übrigens kaum in die Nabe bekommen. Erst als Sie fast drin waren machte es "plopp" und die letzen 2 cm gingen ganz leicht. Das Vorderrad drehte sich nach der Montage zu meinem Erstaunen ganz ohne zu schleifen völlig leicht.


 

Testfahrt mit den Original MZ-Bremsbelägen nach dem Einbau


Nach ca. zehn Bremsungen waren die MZ-Beläge so wie meine vorherigen Ferodobeläge, nach 20 km mit "Einbremsen und Nabe abkühlen lassen" ist die Bremsleistung jetzt spürbar besser als vorher. Nach meinen Erfahrungen entfaltet sich die maximale Bremsleistung ohne weitere Gewaltbremsungen aber erst nach einer gefahrenen Tankfüllung - also ungefähr 300km. Der Umbau auf die hellen MZ-Originalbeläge hat sich gelohnt. Das Vorderrad habe ich zwar nicht zum Blockieren bekommen, trotzdem ist die Vorderradbremse jetzt schon erheblich bissiger als vorher.




Hinten: Nach dem Ausbau der Hinterrad-Nabe habe ich 161 mm gemessen - also 0,5mm über das Verschleißmaß hinaus. Hinten waren auch zwei Zwischenlagen aus Alu montiert, die ich durch neue 1mm Stahleinlagen ersetzt habe. Nach dem Einbau ließ sich zunächst der zickige Bremslichtschalter mal wieder nicht mehr einstellen. Das Hinterrad drehte sich schwer, ich musste die Einstellschraube hinten bis auf die allerletzten Umdrehungen stellen, damit es halbwegs leichtgängig war. Die Bremswirkung war zunächst schlecht , steigerte sich aber schon nach 10 km spürbar. Mit Kraft bekam man das Hinterrad auch zum Blockieren, aber der Druckpunkt war schwammig. Nach 20 km war die Bremswirkung fast wieder so gut wie mit den alten, 6000 km eingeschliffenen und passend gefeilten Ferodo-Belägen.

Ich werde die Bremshebel nochmal neu justieren, damit sich das Hinterrad ganz leicht dreht und bei dieser Gelegenheit in der Mitte der Beläge mit der Feile etwas Material wegnehmen. Danach dürfte die Bremswirkung besser sein, als mit den Ferodo-Belägen.

Nachtrag: Stimmt, wenn man sie vorher etwas warm bremst. Stand Oktober 2012


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