SIMSON Wissen

 

Simson ist puristischer Fahrspaß dank sozialistischer Technik der 70er und 80er Jahre

In der DDR waren Simson-Kleinkrafträder eher reine Fortbewegungsmittel der sozialistischen Arbeiterklasse. Und weil es beides nicht mehr gibt, sind die ehemaligen Ostfahrzeuge heute besonders gesucht. Ein leichtes Mokick mit Power, ganz ohne Schnickschnack, TÜV-, AU- und steuerfrei, aber mit dem Charme eines echten Zweitakters, der ewig hält und leicht zu reparieren ist. Der SIMSON SR 50 ist für mich ein erstaunlich zeitgemäßes Fortbewegungsmittel mit eigenen Qualitäten irgendwo zwischen Roller u. Kleinkraftrad. Ein Rollped, Rollkick, Rollkrad? Keine Ahnung was sich das DDR-IFA-Kombinat Anno '86 dabei gedacht hat, aber der Roller ist klasse!

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Kreidler † 1982, Zündapp † 1984, Maico † 1987 und zuletzt Simson † 2003. Alle sind weg, es ist traurig. Die Mopedzeiten sind lange vorbei in Deutschland. Warum eigentlich? Man stellt sich hier zulande lieber mit einem tonnenschweren Geländewagen in den Berufsverkehr, dreht die Klimaanlage auf und lässt beim wöchentlichen Tankstellenbesuch eine unglaubliche Summe sinnlos verheizter Euronen für viel zu plumpe und viel zu große Fahrzeuge. Dabei reichen 80 kg Maschine aus, um 80 kg Mensch samt Gepäck zu befördern.

Ein Roller wiegt nur ein z w a n z i g s t e l eines Geländewagens!
Ein BMW X5 wiegt 2240 kg und darf nur 615 kg zuladen - noch nicht mal ein Drittel seines Eigengewichts.
Eine SR50 wiegt 86 kg und darf sagenhafte 172 kg zuladen - das ist die 2-fache Nutzlast seines Eigengewichts.

Ihr wartet auf ein bezahlbares 3 Liter Auto? Dann wartet mal noch schön ein paar Jahre weiter. Ein Simson Roller verbraucht nur 2,8 Liter. Und das ist nur ein positiver Umweltaspekt. Simantik ist mehr. Wer mal Roller gefahren ist weiß: Der Motorroller ist einfach eines der stressfreisten Alltags-Fortbewegungsmittel mit dem man Kurzstrecken bis 30 km sehr komfortabel fahren kann. Ist es dazu noch ein alter Roller aus Blech, fährt auch gleich eine gewisse Aura mit. Die gute alte Zeit, da ist sie wieder. Ich meine nicht die "Ostalgie", sondern das Gefühl ein ganz einfaches, ehrliches Fortbewegungsmittel zu benutzen um von A nach B zu kommen - ohne seine tonnenschweren Statussymbolweltanschauungsattitüden mitzuschleppen. Eine Simson "Made in GDR" kann man noch mit stinknormalem Werkzeug aus Opas Keller ganz ohne Notebook und raubkopierter VAG-Diagnose-Software reparieren! Dazu dieser leicht ölige Geruch, dieser sozialistische Look, dieser unverwechselbar coole 2-Takt-Sound, vielleicht noch gutes Wetter, das ist Simantik pur!

Man muß nicht rumheizen um Fahrspaß zu haben, sondern schwebt leicht und luftig durch die Landschaft. Keine Parkprobleme, mitten in der Stadt einfach anhalten, kein TÜV, keine Steuer, keine AU, kein verstopfter Russfilter, keine teuren Versicherungen, die Reifen halten über 20.000 km - die Ersatzteile sind günstig. Früher hatte ich mal eine heissgeliebte 80er dann eine XT 600 43F. Nie hätte ich mir vorstellen können, sich freiwillig auf "so ein DDR-Ding" zu setzen. Aber nach zig Jahren Berufsverkehr mit dem Pkw, immer verstopfteren Straßen mit viel zu vielen LKWs und völlig unkoordinierten Chaos-Baustellen entdeckte ich plötzlich diesen Simson Roller für mich als echte Alternative.

 

Wie kommt man ausgerechnet auf eine technisch veraltete Simson aus der ehemaligen DDR?

Der Auslöser für meine Simson-Anschaffung war eine Überführungsfahrt eines nagelneuen Piaggio TPH (ein schicker Plastikroller) nach 20 motorradfreien Jahren für meine Lebensgefährtin. Ich war bei dem unbeschwerten Fahrgefühl trotz Regen sofort wieder Feuer und Flamme. Aber 45km/h sind für fließenden Verkehr einfach zu wenig - flotte 60 reichen zum lässigen Mitschwimmen dagegen aus. Die 60km/h Regel ist ein Erbe der Honecker-Ära. Meines Wissens wurde damit auch auch auf sozialistischen DDR-Autobahnen gefahren. Fakt ist heute aber:

Der SR und alle anderen Simson-Vögel gehen mit Ihrer 70-80er-Jahre-Technik zwar richtig ab, die modernen Plastik-Roller sind technisch mittlerweile umweltfreundlicher, pflegeleichter und unkomplizierter, weil man ihnen in den letzten 20 Jahren die Kinderkrankheiten abgewöhnt hat. Bei richtiger Pflege hält eine Simson aber länger als moderne Roller und verbraucht in der Regel immer noch erheblich weniger Benzin.

Leider haben die EU-Politiker|-innen für alle modernen Kleinkrafträder das hirnrissige 45km/h-Limit gesetzt. Hätte auch nur ein|-e einzige|-r EU-Politiker|-in eine Woche lang in einer Großstadt mit solch einem gedrosselten 45km/h-Ding zur Arbeit fahren müssen, wäre dieses Limit garantiert nie zustande gekommen. Es ist traurig - aber es gibt ja die guten, alten Simsons. Die gesamte Simson-Vogelserie und Nachfolgemodelle bis BJ 1992 laufen gut und gerne über 60 km/h, die auch heute noch von Führerscheinneulingen mit dem M-Führerschein gefahren werden dürfen (Stand Mai 2009 - ohne Gewähr).

Eine 60km/h-Simson ist daher mittlerweile auch im Westen attraktiver denn je. Die ehemalige Moped-Ära bekommt derzeit wieder starken Aufwind. Nicht nur weil es Kult ist .... sondern weil die alten DDR-Mopeds schnell, sparsam und leicht zu reparieren sind. Sozial ausgerichtete Attribute von Fahrzeugen aus der Zeit des eisernen Vorhangs, die hierzulande seit Jahrzehnten unter dem Diktat der ach so freien Marktwirtschaft völlig zu Unrecht in Vergessenheit geraten sind.

Nachdem ich mir als unerfahrener Wessi aus Spaß diesen merkwürdigen DDR- Roller zugelegt habe, ging mit den ersten Problemen die mühsame Sucherei im Internet nach fundiertem Insiderwissen los. Man findet es kleckerweise in zahlreichen Foren, auf spätpubertierenden Tuningseiten, in vergilbten IFA Reparaturanleitungen, bei Oldtimerfreaks und einiges kann man schließlich direkt von der guten alten Schwalbe lernen. Hier auf Simantik.de habe ich mein Wissen speziell für den Simson SR Roller (und die MZ ES 250/2 bzw. MZ ES 175/2) zusammengetragen - nicht nur für Simantiker.

Sondern für alle Besucher|-innen kostenlos ...