Simson Bremsleistung verbessern

 

Schwächelnde Simson Trommelbremsen sind nicht in Ordnung

In jedes zusätzlich gewonnene Km/h werden Stunden, Nachmittage, Wochenenden investiert. Dabei sind die Bremsen mindestens genauso wichtig, bzw. die Voraussetzung um überhaupt richtig schnell fahren zu können. Simson Trommelbremsen haben oft den Ruf der schlechten Bremswirkung - dementsprechend wenig Beachtung wird Ihnen auch geschenkt. Zu diesem Vorurteil kommt noch das Gerücht, die Bremsen seien schon ab Werk schlecht gewesen. Und gerade deshalb sollte man es sich unbedingt zur lebensbejahenden Aufgabe machen die Dinger richtig gut im Griff zu haben. Denn man kann eine Menge tun, um die Bremsleistung deutlich zu optimieren. Bitte geht an die Simson-Bremsen nur mit äußerster Sorgfalt und nur mit kundiger Sachkenntnis! Bitte keinesfalls ausprobieren wenn Ihr keine Ahnung habt. Geht dann bitte unbedingt zum Fachhändler. Alle Tipps unten sind ausdrücklich ohne Gewähr und nur für Leute, die sich mit Brems-Instandsetzung und Trommelbremsen wirklich auskennen!

Werbung



1. Der Bowdenzug der Simson-Trommelbremsen

Der Bowdenzug gibt oft nach, geht schwer, hat einen kleinen Knick, oder ist einfach zu lang. Dieses Bauteil sollte dann unbedingt gegen ein Neues ersetzt werden. Auch ganz neue Bowdenzüge müssen vor dem Einbau unbedingt geölt oder gefettet werden. Und zwar so, dass überschüssiges Öl nicht in die Bremsen läuft (Achtung Kapillarwirkung!). Nur ein geölter Zug geht hinterher richtig butterweich. Die Züge dürfen keinesfalls auch nur etwas angeknickt sein und werden in großen Radien ganz vorsichtig verlegt. Alle Nippel-Lagerungen müssen sorgfältig gefettet werden.

 

2. Der Kardinalfehler: Keine 90-Grad Stellung des Bowdenzugs zum Bremsankerhebel

Viele neue Vorderradbowdenzüge sind zu lang - sprich die Stellung des Bremsankerhebels mit dem Zug soll bei Belastung ca. 90 Grad, also beim Bremsen einen rechten Winkel ergeben. Viele Züge sind aber ca. 1 cm zu lang und verschwenden Kraft, weil kein 90 Grad Winkel zustande kommt. Eigentlich müssten sie gekürzt und neu gelötet werden, aber das möchte ich hier niemandem empfehlen, obwohl es mit entsprechendem Werkzeug und Sachkenntnis möglich ist. Am besten man verwendet keine nachgemachten Billigzüge, sondern die Originalersatzteile von MZA, da diese Züge am besten passen.

Die 90 Grad (unter Belastung) müssen durch gezieltes Verstellen der Verzahnung zwischen Bremsankerhebel und der Spreizache eingestellt werden. Die Verzahnung ist relativ grob, deshalb ist nicht immer der optimale Winkel möglich. Zur Not muss das Rändelrad zur Feinjustierung am Handbremshebel sehr stark verstellt werden. Der Winkel bestimmt die spätere Bremswirkung ganz erheblich! Wird die Verzahnung nur um einen Zahn verstellt, weil der Zug nicht richtig passt (meistens zu lang), ist die Bremsleistung nicht mehr ausreichend, auch wenn alle anderen Maßnahmen eingehalten werden. Das Einstellen der Verzahnung kostet viel Zeit, weil am ausgebauten Rad die optimale Einstellung herausgefunden werden muss. Die Verzahnung kann bei eingebauter Bremsankerplatte nicht sauber eingestellt werden, da die Spreizachse dabei nach innen fällt.

 

3. Welche Bremsbeläge sind optimal?

Achtung Asbest ist hochgradig krebseregend !!! Vorsicht beim Aus- und Einbau. Niemals ausblasen, Staubmaske tragen und ganz vorsichtig hantieren. Auch neue Beläge (aus Osteuropa) sind oft noch asbesthaltig! Die Bremstrommel wird vorsichtig draussen auf der Erde ausgeklopft und danach behutsam mit Bremsreiniger gereinigt. Die Auflagestellen der Bremsbeläge und die Lagerstelle der Spreizachse müssen mit Hochtemperaturfett bzw. Kupferpaste sparsam eingerieben werden. Das macht zwarArbeit, aber sonst geht es hinterher nicht butterweich. Diese Stellen niemals ölen!

Anstatt neuer Bremsbeläge gibt es auch Einlagen aus Stahl (siehe Reparaturbuch). Gebrauchte Beläge dürfen nicht vertauscht eingesetzt werden, da sie sich asymetrisch abnutzen ( z.B. anlaufende Bremsbacke). Sie müssen exakt in Ihre alte Position gebracht werden, sonst schleift die Bremse hinterher. Geschlitzte Bremsbeläge haben auf Dauer eine etwas bessere Wirkung, da der Bremsstaub aktiv nach außen getragen wird. Es gibt auch besonders teure Bremsbeläge (EBC / Blackstuff) z.B. bei Simson Taubert mit denen ich keine Erfahrung habe. Alle Beläge werden vor dem Einbau mit Sandpapier ganz leicht angeschliffen - nichts einatmen.

 

4. Die richtige Geometrie der Spreizachse

Laut Forum sind nachgemachte Billig-Spreizachen im Umlauf. Diese sind an Ihren Kanten oft scharf spitzwinkelig statt leicht abgerundet. Ein Simson Qualitäts-Ersatzteil ist an den Spreizkanten ganz leicht abgerundet und kann so beim Spreizvorgang an den Bremsbelägen viel besser gleiten und hohe Kräfte übertragen ohne zu verschleißen. Man kann natürlich einen kleinen Radius anfeilen - besser ist es sich ein entsprechend präzise gefertigtes Ersatzteil zu besorgen. Die Geometrie der Spreizachse kann die Bremsleistung und -Dynamik ganz erheblich beeinflussen.

 

5. Der zentrierte Einbau der Bremsankerplatten

Das Problem haben viele Simsonfahrer|-innen: Die Räder schleifen bei guter Bremseinstellung permanent an den Bremsbelägen - das kostet Leistung, Endgeschwindigkeit und Benzin. Der Fehler liegt an der fehlenden Zentrierung der Bremstrommel des Rades und den Belägen an der Bremsankerplatte. Diesen Fehler kann man mit einem einfachen Trick vermeiden: Beim Radeinbau insbesondere vorne vor dem Festziehen der Vorderachse die Bremse betätigen und in diesem, quasi gebremsten Zustand erst die Steckachse festziehen.

 

6. Bremsbeläge passend einfeilen oder einschleifen

Neue Bremsbeläge müssen oft eingefeilt werden, bevor sie richtig passen und ihre Wirkung richtig entfalten. Wie man das bewerkstelligt und weitere Tricks zur Optimierung von Trommelbremsen steht unter MZ-Bremsen.

Die Rosskur bei stark schleifenden Bremsen aus dem Forum: Bremstrommel innen mit Sandpapier bekleben, Bremse wieder einbauen und während man den Roller ein paar Meter schiebt ohne viel Bremskraft die Beläge vorschichtig in die richtige Form schleifen. Bremse ausbauen, Sandpapier herausnehmen, Klebstoff restlos entfernen, Bremse wieder zusammenbauen und richtig einstellen. Es ist klar, dass diese Methode die Beläge stark verschleißen lässt - aber laut Forum sie sollen hinterher exakt passen ...

 

7. Kunstoff- versus Metallhebel

So bruchstabil die Kunststoffhebel auch sind: Bei hoher Beanspruchung dehnen sie sich ein paar Milimeter - bzw. lassen sich sogar ganz bis an den Lenker ziehen, weil sie nachgeben. Bei Zweirad Schubert gibt es für den SR-Roller einen Bremshebel aus Metall. Dieses Tuning-Bauteil ist sinnvoll und verleiht der Vorderradbremse eine dehnungsfreihe Kraftübertragung und einen besseren Druckpunkt, ist aber keine Lösung für kaum richtig funktionierende Bremsen. Das Bauteil ist nicht gerade in "deutscher Qualität" gefertigt und muss mit Schmirgelpapier oder Feile leicht nachbearbeitet werden. Trotzdem meine Empfehlung.