Simson reparieren - Erste Hilfe für verzweifelte Schrauber|-innen

 

Eins gleich vorweg, diese Webseite ist kein Reparaturbuch!


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Reparaturbücher haben schon andere geschrieben und das würde hier den Rahmen sprengen. Zu der Anschaffungsfrage möchte ich Euch am Anfang einen ganz heißen Tipp geben: Statt nächtelang in irgendwelchen Foren "kostenlos" nach Standardreparaturen zu suchen, sind die 16,- EUR für ein Reparaturbuch allerbestens angelegt, denn sie sparen Zeit, Geld und Nerven. Dazu drei Empfehlungen:

Simson Ratgeber. Für S 50, S 51, S70 und SR 50/SR 80 von Erhard Werner aus dem Mza Verlag, 2004 ca. neu ca. 16,- EUR (Mein TIPP!)

SIMSON Reparaturanleitung für Simson-Zeiradfahrzeuge S51/1 70 und SR50/1 80, VEB Fachbuchverlag Leipzig, 1988 rar und nur noch gebraucht z.B. bei Ebay für ca. 25,- EUR

SIMSON Reparaturanleitung auf CD-Rom gibt es im Fahrzeugmuseum Suhl oder bei Ebay, oder bei einigen Simson Onlineshops. Hier kann man sich die Kapitel einzeln ausdrucken und auch einsauen ca. 20,-EUR

 

Erste Hilfe für SIMSON SR 50 (und andere SIMSON-Modelle) Siehe auch Motor-Problemlöser !

 

Roller springt nicht an - macht kein Mucks

Dafür gibt es neben ein paar versteckten Gemeinheiten normalerweise fast immer nur genau zwei Ursachen: Der Motor bekommt kein Benzin oder die Zündkerze erzeugt keinen Zündfunken. Das kann man leicht testen: Kerze rausdrehen, an den blanken Motor oder irgendwo an die Masse legen und bei eingeschalteter Zündung den Kickstarter betätigen: Die Kerze muss einen regelmäßigen, bläuchlichen Funken erzeugen. Tut Sie das nicht, Kerzenstecker vom Kabel drehen, und Zündkabel direkt an blanken Motor / Masse legen - wenn jetzt plötzlich ein Funke kommt, ist die Kerze oder der Kerzenstecker defekt. Funktioniert die Kerze die ganze Zeit, liegt es am Benzin bzw. am Vergaser. Ist der auch OK, und der Motor sagt noch immer keinen Mucks wirds schwierig: Es könnten z.B. die Kurbelwellensimmerringe defekt sein. Dadurch gibt es keine Vorverdichtung mehr und der Motor springt auch durch Schieben nicht mehr an. Bei mir war das genau so!

 

Das Kerzengesicht zeigt den Zustand des Motors an

Der Mittelteil der Kerze - also die Elektrode sollte trocken und "Rehbraun" oder grau sein - ein gutes Zeichen für eine optimale Verbrennung. Ist die Kerze schwarz oder sogar verrust, läuft der Motor zu fett (z.B. Luftfilter verstopft), ist sie hellbraun bis weiss wirds kritisch, denn dann läuft der Motor zu mager, z.B. bei Nebenluft oder einer zu kleinen Düse. Achtung: Hier bekommt man schnell einen Kolbenklemmer oder ruiniert sich die Kurbelwellen- bzw. Pleuellager. Unbedingt Abhilfe schaffen, sonst ist der Motor schnell kaputt. Mehr Details zum Kerzengesicht

 

Roller springt per Kickstarter auch nach 5-6 Tritten nicht an

Versuchen das Moped im zweiten Gang anzuschieben hilft sehr oft. Nicht gleich nach 10 Metern aufgeben, sondern ausgiebig versuchen und dabei mit dem Gas spielen. Es hat bei mir auch schonmal 50-75 Meter gedauert, bis der Motor endlich lossprotzte, das Schieben ist natürlich anstrengend! Wenns klappt - 5 Min. warmfahren, danach geht es meistens per Kickstarter. Wenn der Roller ständig angeschoben werden muss stimmt was nicht, wie z.B. defekte Simmerringe, undichtes Ansaugsystem, uraltes Benzin (über ein Jahr alt) verschlissene oder falsche Teile im Vergaser.

 

Roller fährt ca. 3-4 Minuten geht dann aus und lässt sich nicht wieder antreten

Wahrscheinlich Kraftstoffmangel durch defektes ("hängendes") Schwimmernadelventil, Schwimmer klemmt oder ist verstellt - auseinanderbauen, säubern, einstellen, Schwimmernadelventil tauschen. Zweite Möglichkeit: Das Entlüftungsloch im Tank ist zu - frei machen. Oder auch sehr beliebt:

 

Roller geht nachdem er warmgefahren ist aus und lässt sich nicht mehr antreten

Je wärmer es ist, desto eher geht der Motor plötzlich einfach aus. Nach einer Abkühlungspause läuft er wieder für ein paar Minuten bis er warm ist. Hier ist der Kondensator defekt - einfach austauschen.

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Roller fährt sauber los und geht dann kurze Zeit später aus - Kerze ist immer nass

Wahrscheinlich ist das Chokegummi porös oder fehlt

 

Motor hat keinen oder nur einen sehr schwachen Zündfunken

Zündkerze defekt, Zündkerzenstecker nass oder defekt - austauschen, Massekabel am Motor oder an der Zündspule abgerissen - wieder anbringen, Zündspulendorn abgerostet, Zündkabel korrodiert - kleines Stück an jeder Seite abschneiden dann Kontakspray in Stecker und Spule und wieder eindrehen. Einfach mal die Kerze mit einer neuen tauschen. Für SIMSON grundsätzlich nur Marke "Isolator 240 oder 260" von BERU nehmen - damit kann man sich eine Menge Probleme ersparen. Erst danach würde ich anfangen den Fehler direkt an der Zündungsgrundplatte zu suchen: Unterbrecherkontakt ist verstellt, verschlissen oder dreckig - wechseln o. einstellen (0,4mm geöffnet), Kondensator tauschen, Zündungsgrundplatte hat sich komplett gelöst - Markierungen übereinanderbringen und später richtig einstellen (lassen). Die Zündspule selbst geht nicht oft kaputt, aber der Dorn für das Zündkabel gammelt gerne ab.

 

Motor ruckelt während der Fahrt

Alte Zündkerze wechseln. Elektrodenabstand muss 0,4mm betragen. Unterbrecherkontakt ist verstellt, verschlissen oder dreckig - wechseln oder einstellen (0,4mm geöffnet). Die Schwimmerhöhe ist evtl. verstellt - neu einstellen . Kraftstoffmangel: Benzinhahnfilter oder Vergaser verstopft - Siebe säubern, einstellen. Gerne wird auch der Tank von innen rostig, wenn er über Jahre leer war. Hier muss man erst den Tank sorgfältig entrosten, sonst treten die Probleme ständig auf. Erfolgreiche Tankentrostung ist z.B. im Forum www.schwalbennest.de gut beschrieben.

 

Motor geht nach Belastung z.B. längerer Bergauffahrt einfach aus

Die Zündkerze hat eine "Kerzenbrücke" - das ist eine winzig kleine, kaum sichtbare Verbindung zwischen Elektrode und dem kleinen Metallende - Kerze wechseln oder saubermachen. Kerzenbrücken treten dann gerne auf, wenn Dreck in den Motor gekommen ist, z.B. vom (Auslass entkoken) in den Motor gefallene Partikel oder dreckigem Benzin oder verrostetem Tank.

 

Es tropft Benzin aus dem Vergaser

Schwimmernadelventil oder Schwimmer klemmt, wechseln oder säubern. Schwimmer hat ein Loch und ist zum "Taucher" geworden oder ist schwerer als er soll (z.B. durch Lötreparatur). Die Schwimmerhöhe ist verstellt - neu einstellen . Benzinhahndichtung defekt - wechseln. Benzinschlauch ist hart und undicht. Eine kleine Pfütze auf dem Motor ist erstmal nichts Schlimmes.

 

Motor hält kein Standgas

Standgas am Vergaser einstellen, ggf. Leerlaufdüse und den Rest des Vergasers säubern. Kurbelwellen-Simmerring defekt - am besten beide Simmerrringe tauschen, es ist aber fast immer der Ring hinter der Zündung.

Getriebeöl riecht nach Benzin, oder Zündungsteile verölt, kleine Öltropfen aus der Zündungsseite
Kurbelwellen-Simmerringe defekt - am besten beide Simmerrringe tauschen. Nur gute Qualität nehmen, sonst sind sie nach 2000 km wieder kaputt.

 

Simson hat keine Leistung

Hier gibt es natürlich eine ganze Menge Fehlerquellen, angefangen von falschen Düsen, falschen Bauteilen, undichten Auspuffanlagen, halbaufgepumpten Reifen, schleifenden Bremsen usw. Hier nur die häufigsten Fehler, die echt Leistung kosten: Die Luftfilter ist verstopft - säubern oder tauschen. Die Zündung kann verstellt sein - einstellen. Auspuff / Auslasskanal sind verkokt - merkt man, wenn man die Handfläche kurz hinter den Auspuff hält und die Abgase nicht richtig stoßweise sondern eher flau (ohne Druckwellen) aus dem Endrohr kommen. Der Auspuff muss gesäubert (nur die kleinen Durchlässe) oder getauscht werden. Motor zieht falsche Luft - abdichten. Kolbenringe sind festgebrannt, gebrochen oder verschlissen - tauschen, gangbar machen oder gleich die Zylindergarnitur mit neuem Übermaßkolben auschleifen lassen. Achtung, günstige Ebay-Zylinder für 30,- EUR sind oft Schrott. Am besten ist ein echter, regenerierter, original DDR-Zylinder.

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Motor heult im Standgas plötzlich auf

Simmerringe defekt - austauschen, Motor zieht Nebenluft am Vergaserflansch an der Zylinderfußdichtung oder anderswo - schnellstmöglich abdichten, der BING-Vergaser ist fabrikneu ziemlich verstellt - hier einfach den Leerlauf runterdrehen.

 

Motor verliert etwas Öl

Bevor nun alle Dichungen getauscht werden bzw. der Motor zwecks neuer Abdichtung gespalten wird, würde ich erstmal die entsprechenden Gehäuse- und Dichtungsschrauben nachziehen. Oft ist es auch kein Getriebeöl, sondern Gemisch, was aus der Motormulde oder aus der Krümmerdichtung von oben nach unten läuft. Saubermachen, Stelle lokalisieren und abdichten.

 

Motor dreht unter Vollast durch

Kupplung rutscht durch: Das Kupplungsseil muss etwas Spiel haben - am Kupplungshebel oder direkt am Motor unter der schwarzen Kunststoff-Kappe am linken Motorgehäuse einstellen. Getriebeölstand kontrollieren. Bevor die Kupplungsbeläge gewechselt werden (Einpresswerkzeug erforderlich) sichergehen, dass kein Automatikgetriebeöl verwendet wurde sondern normales "SAE 80" und das dieses nicht älter als 2 Jahre ist. Ruppige, schwergängige und schlecht trennende Kupplungen kann man mit frischem Getriebeöl SAE80 evtl. noch retten.

 

Motor ist sehr laut

Krümmermutter ist mal wieder lose, defekt oder undicht, Auspuffverbindung zwischen Krümmer und Schalldämpfer, bzw. Endrohr ist undicht - nachziehen und abdichten, Endschalldämpfer wurde manipuliert oder fehlt, Ansauggeräuschdämpfer (Trichter) im Luftfilterkasten fehlt - ersetzen, Motor vibriert durch Verzug der Motorhalterung schon dauerhaft rechts am Rahmen - mit einem massiven Hartgummiklotz am Rahmen abstützen.

Motor schlägt oder hackt beim Lastwechsel und klackert beim händischen hin-und herruckeln
Motorhalterung ist lose, gerissen oder die Motorlager sind ausgeschlagen - umgehend nachziehen bzw. Halterung ersetzen oder reparieren.

 

Der Motor läuft immer noch nicht richtig? Siehe auch Simson-Motor-Problemlöser!

 

Bremsen gehen nicht richtig

Absteigen, sofort Instandsetzen (lassen)! OK es sind nur Trommelbremsen, aber sie müssen richtig gut bremsen! Ohne Ahnung von Bremsen unbedingt Finger weg und zum Händler gehen, bzw. Hilfe holen. Ihr solltet genau wissen was Ihr tut, sonst lasst es bitte. Ohne vernünftige Bremsen braucht Ihr nirgendwohin losfahren! Die Bowdenzüge und Bolzen aller Hebel müssen gut geölt o. gefettet sein. Aber nicht, das davon etwas in die Bremsen läuft (Achtung Kapilarwirkung!). Die Spreizachsen in der Trommel selbst müssen ganz dünn mit Hochtemperaturfett oder Kupferpaste eingerieben werden.
Die Trommelbremsen haben oft noch ASBESTHALTIGE Beläge, deshalb N I E mit Pressluft oder mit dem Mund ausblasen und ganz behutsam gegen asbestfreie Bremsbeläge austauschen. Es gibt geschlitzte Beläge, die etwas besser greifen und Distanzbleche in mehreren Dicken (siehe Reparaturbuch). Die Bremstrommeln selbst werden mit 150er Schmiergelpapier geglättet und mit mit Bremsenreiniger (oder Spiritus) entfettet. Anschließend die Beläge ganz vorsichtig anschleifen. Es darf keinerlei Fett oder Öl auf den Belägen oder in der Trommel sein. Beim Einbau der Räder werden die Achsen des Rollers bei angezogenen Bremsen festgeschraubt, sonst dauert der Einschleifprozeß mehrere 100 Kilometer oder die Beläge schleifen auch nach 1000 km einfahren noch leicht.

 

Scheinwerferlicht geht nicht, obwohl Glühlampe OK ist

Der Scheinwerfer bekommt Strom über Blechstreifen unter dem Kombiinstrument. Diese Blechstreifen korrodieren und brechen gerne, können aber einfach wieder zusammengelötet werden.

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Glühlampen brennen ständig durch

Wenn die Lampen 4-5 Jahre oder älter sind, am besten einmal alle austauschen. Als Ersatz kommen nur NARVA-Lampen in Frage, alle anderen Marken-Glühlampen brennen nach kurzer Zeit wieder durch. NARVA hält 2, 3, 4 Jahre, viele andere Markenbirnen kommen mit dem Wechselstrom nicht zurecht und brennen nach ein paar Tagen oder Stunden wieder durch. NARVA bekommt man meist nur bei Simson- oder Oldtimerhändlern - nehmt nur im allergrößten Notfall andere. Die SR 50 hat nacheinandergeschaltete Glühlampen wie beim Fahrrad, ein sensibles System. Brennt eine durch, bekommen die anderen zuviel Strom und brennen auch durch, deshalb müssen defekte Lampen sofort ersetzt werden - z.B. auch die kleine Tacholampe. Deshalb am besten immer Ersatz mitnehmen und gleich auswechseln können, schont Eure Nerven!

 

Die Sicherung fliegt ständig raus

Dann ist ein ernsthafter Kurzschluss im Stromkreis der Batterie. Dazu gehören: Blinker, Standlicht vorn, Tachobeleuchtung, Leerlaufkontroll-Leuchte und die Hupe. Nur diese Verbraucher gehen jetzt nicht mehr, man kann also noch ohne Blinker mit Handzeichen bei Dunkelheit vorsichtig nach Hause fahren. Die Sicherung darf keinesfalls durch ein Stück Metall überbrückt werden, weil Euch der Roller sonst abfackeln kann, bzw. die ganzen Kabel verkokeln. Um den Kurschluss zu finden, kann man vorschichtig und kurzzeitig eine stärkere Glühlampe (z.B. eine 21W- Blinkbirne) anstatt der Sicherung anschließen und an allen Kabeln und Bauteilen wackeln. Dabei bitte überprüfen, ob das Sicherungskabel oder eine andere Leitung heiss wird - dann wieder sofort entfernen. Elektronikfreaks können auch ein Multimeter anschließen und messen. Geht die Birne aus, habt Ihr den Fehler eingekreist.

Beliebte Kurzschluss-Stellen sind: Blinkerkabel abgerissen - liegt im Metallrohr oder am Blechreflektor an Masse an, Schalterkabel in der Blink-, Licht- Hupenschalter- Armatur abgerissen, eins der unisolierten Kabelschuhe an den Instrumenten-Kontrollbirnchen liegen irgendwo an Masse an, Ein Kabelschuh an der Hauptsteckerleiste ist gebrochen oder hat sich gelöst und liegt an Masse, oder die relativ komplexe und vor allem nicht isolierte Scheinwerferverkabelung verursacht das Problem.

 

Tacho geht falsch, Tachonadel wackelt stark

Ja, ein echtes Sensibelchen dieses analoge Messeisen. Er ist so aufgebaut, dass man ihn reparieren (und damit auch einfachst manipulieren (!) kann. Der Kilometerstand stimmt oft nicht. Es liegt selten am Tacho selbst, sondern an der Tachowelle, die nicht gleichmäßig genug läuft. Die Tachowelle muss gut geölt und möglichst in großen Radien verlegt - und der Tachwellenantrieb gut gefettet werden, dann ist die Abweichung zu einem Digitaltacho bemerkenswert gering und der Zeiger hält wackelfrei was er verspricht. Aber es funktioniert halt nicht bei jedem Roller. Eine neue Tachowelle ist oft schon der richtige Weg zum Ziel.

Die neueren Tachos des SR50 aus dem Ersatzteilhandel sind angeblich mit einer Zeigerdämpfung ausgestattet. Wer auf eine genaue Geschwindigkeitsanzeige besteht, sollte auf Nabentachoantrieb durch das Vorderrrad umrüsten. Zur Kontrolle empfehle ich zumindest temporär die Montage einens Fahrrad-Digitaltachos mit Kabel (per schnurlosem Funk gehts durch die störende Motorelektrik nicht richtig) oder die Geschwindigkeitsermittlung per GPS. Alles andere wird schwierig.