Simson Fahrzeugmuseum in Suhl

 

Mein Besuch im Simson Museum 12 | 2007

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Auf über 1000 Quadratmeter Ausstellungsfläche zeigt das Fahrzeug-Museum in Suhl ca. 180 Ausstellungsstücke aus mehreren Bereichen des Fahrzeugbaus: Fahrräder, Kleinkrafträder, Motorräder und Automobile. Simson wurde schon 1856 von den jüdischen Brüdern Löb und Moses Simson gegründet und war der größte Arbeitgeber der Region. Ursprünglich wurden vor allem Jagd- und Militärwaffen produziert, die Produktion wurde aber ab 1896 auf Fahrräder erweitert. Während des ersten Weltkrieges konzentrierte man sich auf Gewehre, Pistolen, Geschütze, Flugmotoren und Sanitätskraftwagen. Danach begann die Serienproduktion von Luxus-Automobilen "Simson Supra" und von Kinderwagen. Ab 1936 wurde die "BSW 98" produziert, ein führerschein- und steuerfreies Motorrad.

Im zweiten Weltkrieg wurde natürlich die Waffenproduktion wieder forciert. Nach russischer Besetzung gab es die "Simson 425", das Matorrad war besser bekannt als AWO 425. Danach ging Simson in einen volkseigenen Betrieb der DDR über. Motorräder durften unter dem neuen Regime nur noch von MZ in Zschopau gebaut werden. Parallel zu MZ gab es noch die IWL-Groß-Roller (Pitty, Berlin, Troll) aus Ludwigsfelde. Um international ein einheitliches Erscheinungsbild mit hohem Wiedererkennungswert zu schaffen, wurde das IFA-Kombinat "Industrieverband Fahrzeugbau" gegründet - ein staatlich verordneter Zusammenschluß von Fahrzeugbaufirmen in der früheren DDR. Diese Geschichte wird auch in der Ausstellung des Simsonmuseums zumindest exemplarisch kurz angerissen. Wettbewerbsmotorräder, PKWs und die gloreichen 50er Jahre Roller sind im Museum ebenfalls ausgestellt.

Von 1955 bis 1990 wurden in Suhl allein über 5 Millionen Simson Kleinkrafträder produziert. Am 28. Juni 2002 mußte die thüringische Traditionsfirma nach mehreren "Fast-Pleiten" dann endgültig Insolvenz anmelden, im Mai 2003 wurde alles versteigert. Den Schwerpunkt der Austellung bilden natürlich die ehemals in Suhl gefertigten Simson Zweiräder sowie seltene DDR-Sportmotorräder. Ein Besuch lohnt sich sowohl für Simson- als auch für Klassik-Motorrad-Interessierte. Manchmal gibt es zusätzlich noch eine Sonderausstellung.

Im ehemaligen Simson Werk eröffnete das Suhler Fahrzeug-Museum erstmals 1996 in Thüringen. Seit April 2007 befindet sich das Museum im Congress Centrum Suhl. Ein Parkhaus ist daran gleich angeschlossen, aber nicht ganz billig. Der Eintrittspreis selbst ist gerechtfertigt, da die Ausstellung modern und wirklich sehr liebevoll gemacht ist. Man hat das Gefühl in einem großen, modernen Zweiradladen zu stehen - aber natürlich kann man die Exponate nicht kaufen und sollte selbstverständlich nichts anfassen. Dafür ist ungestörtes Fotografieren kein Problem.

Einziger Kritikpunkt: Man kommt zwar ganz nah an die Zweiräder ran, aber sie sind so eng aneinander geparkt, dass sich echte Fans wirklich den Hals verdrehen müssen, um so manches Detail entdecken zu können. Drumherumlaufen wie z.B. auf einer Zweiradmesse geht nicht. Gelangweilte Partner sollte man vorher im Café oder in der Suhler Innenstadtstadt absetzen, anstatt sie durch die Technikwüste mitzuschleifen, ein ausgiebiger Rundgang kann gut und gerne 2-3 Stunden dauern. Echte Simsonfans werden sicherlich noch viel länger bleiben.

Mehr Details unter: www.fahrzeug-museum-suhl.de


SR-Modellreihe von 1986-2002, rechts ein 50km/h Export-Modell mit Kat komplett in "80er Jahre weiß"


Vorstudie des SR 50 um 1985


Weitere Studie Nachfolger der Schwalbe (Hochschule für Formgestaltung Halle-Giebichenstein)


Moderne Funktionsstudie KR 52 von 1972 mit Automatikgetriebe - damals Weltspitze - vom Staat abgewürgt


Lastenroller Simson Albatros mit Aufbau für den Eisverkauf, rechts Elektroroller "SR Gamma E" oder "Star EL" mit zwei Batterien. Der Verkaufspreis lag Mitte der 90er bei sagenhaften 5000,- DM...