Simson FAQ

 

Häufig gestellte Fragen zu Simson und deren Antworten

 

 

Darf eine Simson ohne Zulassung 60 km/h fahren?

Ja, wenn Sie vor dem 28. Februar 1992 in den neuen Bundesländern zugelassen war. Man benötigt lediglich den Führerschein der Klasse M (früher Klasse 4) oder einen PKW-Führerschein und ein einfaches Versicherungskennzeichen. Nachlesen kann an das in der Fahrerlaubnisverordnung §§76 FeV, Nr. 8 §6 Abs. 1. Einige Ordnungshüter im Westen wissen das aber nicht. TÜV, AU, Steuer, Zulassungsgebühren entfallen. Beim Gebrauchtkauf kann die Versicherung des Verkäufers mit übernommen werden. Eine Simson darf man mit Führerschein 4 oder neu M mit 60km/h fahren, wenn sie vor dem 28.02.1992 erstmals in Betrieb genommen wurde.

 

Sind Simson Höchstgeschwindigkeiten ein Mythos?

Die Angaben moderner Plastik-Roller stimmen oft nicht bzw. verpuffen im Automatikgetriebe, im verölten KAT oder in überdimensionierten Stollenreifen. Die EU-weit gültige Geschwindigkeitsbegrenzung von 45 km/h wird von den Herstellern relativ streng eingehalten. Die Tachos der Roller zeigen bei 45 gerne 50 km/h an.

Bei Simson kann man sich auf die alten Tachos nur selten verlassen, sondern muss erstmal die richtige Endgeschwindigkeit per Fahrradtacho, GPS oder durch stumpfes Hinterherfahren mit dem Auto ermitteln. Eine DDR-Simson, die auf ebener Straße ohne Gegenwind keine echten 60km/h läuft, ist heruntergenudelt oder schlecht eingestellt. Viele Simsons laufen ab Werk bis zu 65 km/h, bergab sind dann auch mal über 70km/h möglich. Bei Simson-Mopeds, die aber auf gerader Strecke mühelos über 70km/h rennen, wäre ich vorsichtig: Hier wurde sehr wahrscheinlich durch illegales Tuning nachgeholfen. Auch wenn die kleinen Motoren mit steilen Bergen noch ganz gut zurecht kommen (es sind dann "nur" 50 km/h drin), bei Gegenwind geht ihnen auch die Puste aus. Dafür steigt die Geschwindigkeit bei Rückenwind oder im Windschatten eines LKWs gerne mal auf 68km/h an.

Und deshalb sind die DDR-Modelle bis Februar 1992 viel schneller, als moderne Plastik-Roller - oft bei einem Benzinverbrauch von unter 3 Litern auf 100 km. Die Leistung liegt ungefähr zwischen der eines 80er-Jahre Mokicks - damals beschränkt auf 40km/h - und der eines Leichtkraftrades mit 80 ccm aus der gleichen Zeit. Man kann im Großstadtverkehr mit einer Simson gut und sogar auf Landstraßen noch halbwegs mitschwimmen, wäre da nicht das Psychoding der roller-genervten Autofahrer, das in den Köpfen eingebrannt zu sein scheint: Alles mit kleinem Kennzeichen fährt weniger als 50, nervt und stinkt ... also sofort überholen - auch bei 65 km/h in der Stadt noch. Dies liegt am Image der langsamen EU-Roller.

 

Was ist "Stino"?

In Simson-Foren ist immer wieder gerne die Rede von "Stino". Die Lösung: Stino="Stinknormal". Früher sprach ein gewisser Werner mal von "orchinol".

 

Wo steht die Rahmennummer beim Simson SR 50?

Am Lenkkopflager vorn ist ein Typenschild mit einer Nummer und den wichtigsten Maschinendaten. Daneben ist nochmal eine Rahmennummer eingeschlagen, die mit der am Typenschild identisch sein muss. Wenn das Typenschild fehlt, keinesfalls ein Blankoschild selbst beschlagen, da dies als Urkundenfälschung gilt und hart bestraft wird, sondern die Zulassungsstelle oder beim Kraftfahrtbundesamt fragen, wo man legal ein neues Typenschild bekommt. Das Gleiche gilt für Papiere, die gerne mal fehlen.

 

Wieviel darf ein gebrauchter Simson-Roller in gutem Zustand kosten?

Die Frage ist falsch. Sie muss lauten: Was ist Euch eine alte Simson wert? Mir wäre sie zwischen 400 bis 800,- EUR wert. Wenn sie gut fährt, einen frischen Eindruck macht und einem die Farbe richtig gut gefällt (wichtig!) kann man auch ruhigen Gewissens mehr ausgeben. Eine Garantie, dass man selbst für 1000,- EUR ein Modell erwischt, an dem man nicht mindestens 6 Monate herumschrauben muss gibt es nicht, außer man geht zu einem Händler und handelt eine solche Klausel aus (übrigens gar nicht dumm). Im Osten des Landes ist eine Simson deutlich billiger. Am teuersten ist sie in westdeutschen Großstädten oder komplett "wie neu" restauriert mit luxuriösen Spezialteilen. In den letzten Jahren sind die Preise gestiegen.

 

Beim Simson Gebrauchtkauf fehlen die Original-Papiere, was nun?

Alles kein Problem, solange die Simson nicht als gestohlen gemeldet ist, dann habt Ihr wahrscheinlich ein Problem, wenn das Moped schon bezahlt ist. Neben der Versicherungsbescheinigung mit dem Kennzeichen benötigt man eine ABE. Die gibt es beim Kraftfahrtbundesamt neuerdings sogar online für ca. 25,-EUR. Einfach das KBA-Online-Formular ausfüllen und nach in paar Tagen kommt der Postbote mit der neuen ABE und kassiert die Gebühr. Niemals DDR-Blankopapiere kaufen und selbst ausfüllen - das ist Urkundenfälschung!

 

Bekommt man noch alle Simson-Ersatzteile?

Ja, allerdings lässt die Qualität oft sehr zu wünschen übrig - generell sind original DDR-Teile noch am besten. Das gilt nicht für Reifen, Lager, Schrauben, Schmierstoffe... Ausnahmen bestätigen die Regel. Es gibt drei sinnvolle Markenbindungen, die man möglichst befolgen sollte: Alle Glühbirnen von "Narva" kaufen. Bei Zündkerzen möglichst die Marke "Isolator" verwenden. Werden in Onlineshops zwei verschiedene Qualitätsstufen (Preise) für ein Produkt angeboten, würde ich immer das Bessere bzw. Teurere nehmen. Sonst ärgert man sich hinterher.

 

Welches Benzin braucht eine Simson?

Man tankt Super oder Normal Benzin bleifrei. Da nur ganz wenige Simson-Modelle über eine Getrenntschmierung verfügen, aber alle einen 2Takt-Motor haben muss man das 2-Takt Öl im Verhältnis 1:50 oder bei alten Modellen 1:33 in den Tank schütten, mein Benzinrechner hilft dabei. Man benötigt also beim Tanken ein kleines Ölfläschchen mit ca. 300 ml Öl für 3 x 5 Liter tanken, oder sucht sich eine Tankstelle mit fertigem Gemischverkauf aus einer Extra-Tanksäule für Mopeds. Selber mischen ist billiger und bei den Ölsorten kann man selbst bestimmen wie stark es rauchen und stinken soll.

 

Wo bekommt man noch die Original-Simson-Farben?

Die Original-Simson-Lackfarben gab es jahrelang nicht mehr. Erst seit 2009 gibt es Simson Farben für ältere Mopeds von Leifalit. Man kann auf die DIN-Norm "RAL" ausweichen, aber auch hier wird es schwierig. Es gibt im Internet bis heute leider keine Simson-Farblisten, nach denen man RAL-Farbtöne kaufen kann. Aber es gibt einen sehr guten Farb-Simulator für einige Modelle und die Möglichkeit in Foren nach ehemaligen Originalfarbtönen zu fragen. Eine neue Simson-Lackierung bedeudet sehr viel Arbeit, die gerade von jüngeren Leuten oft unterschätzt wird. Lieber gleich ein Modell kaufen, mit dessen Farbe man gut leben kann.

 

Wie unterscheiden sich die Simson-Modelle voneinander?

Der SR50 ist der letzte 60km/h DDR-Roller, der von Simson bis kurz nach dem Mauerfall gebaut wurde. Es ist der Nachfolger der legendären Schwalbe KR51/2. Daneben gab es die Simson S51 (bzw. S50) und ein ähnliches Enduromodell mit baugleichem Motor. Alle Simson-Modelle beruhen auf ein geniales Baukastensystem von identischen Teilen, die untereinander getauscht werden können. Die Leistungsdynamik der Simson-Modelle unterscheidet sich nicht großartig voneinander, der Roller bietet sehr guten Wetterschutz, die urige Schwalbe ebenfalls, die S51-Modelle sind vom Fahrgefühl am "motorradähnlichsten".

In den '70er Jahren gab es die sogenannte Simson Vogelserie (Spatz ca. 50 km/h, Star, Sperber, Habicht, Schwalbe KR 51/1) mit einem gebläsegekühltem Motor mit 2 bis 4 Gang-Getriebe. Die älteren, gebläsegekühlten Motoren sind nicht unbedingt schlechter, benötigen aber durch das fehlende Nadellager im Kolbenbolzen ein Gemisch von 1:33 und verbrauchen oft etwas mehr Kraftstoff durch die 70er-Jahre Vergasertechnologie plus Lüfterenergie. Die oft defekten Simmerringe der älteren Motoren können ohne ein Spalten der Motorhälften nicht so einfach gewechselt werden, wie bei den neueren Spät-80er-Jahre Modellen. Eines der größten Nachteile der älteren Simson-Modelle ist vor allem die schlechte Beleuchtung durch unterdimensionierte 6V-Anlagen mit indiskutablen Watt-Leistungen. Simson-Modelle aus der Vogelserie sind durch Ihr uriges Design aber wirklich kultig. Und fast alles ist aus Blech.

 

Ist eine 20-35 Jahre alte Simson noch alltagstauglich?

Ja, wenn man ein Kleinkraftrad einmal richtig überholt (regeneriert), regelmäßig wartet, mindestens alle 2 Wochen mal damit fährt, nicht frisiert und keine zwei linken Hände hat. All-Inklusive-Helmfach-Sesselfurzer|-innen, die noch nie im Leben ölverschmierte Hände hatten, sollten eher Abstand nehmen und sich bei Yamaha, Honda, Peugeot oder Vespa umsehen.

 

Welche laufenden Unterhaltskosten fallen monatlich an, wenn man jede Woche ca. 100 km weit fährt?

Versicherungskennzeichen 6,- EUR + Benzin ca. 15,- EUR + Verschleißteile & Schmierstoffe ca. 15,-EUR
= 36,-EUR monatlich oder 432,- jährlich. Es gibt wohl keine günstigere Alternative motorisiert unterwegs zu sein.

 

Der Verbrauch liegt bei knapp 3 Liter, ist eine Simson ein umweltfreundliches Fahrzeug?

Trotz des geringen Verbrauchs und dem eingebauten "Werterhaltungstrieb" muss man zugeben: Der alte Zweitaktmotor macht durch das permanent verbrannte Öl auch heute noch viel Dreck. Auf 1000 km werden 500ml Öl verbrannt, soviel ist das egentlich gar nicht (einige PKW-Hersteller halten sogar 1000ml - wohlbemerkt beim 4Takter - für noch vertretbar). Es gab früher mal ein umweltfreundliches Öl von Castrol, das man 1:100 fahren konnte, dadurch wurde nur die Hälfte des Öls zum Auspuff rausgeblasen. Für Ökofreaks ist 1:60 mit guten Ölen meiner Meinung nach heute machbar.

Ein KAT fehlt ebenfalls, obwohl der in den 90'er Jahren schon mal gegen Aufpreis lieferbar war. Und dann wären da noch trotz eines angenehm dumpfen Sounds die unüberhörbaren Geräuschemissionen des luftgekühlten Zweitakters, sowie der eine oder andere Tropfen Öl unter dem Getriebe bei schlecht gewarteten Exemplaren. Dafür ist der Reifenverschleiß sehr gering, es müssen keine 4 Liter Motoröl warmgefahren werden und jedes Gramm Material hat seinen Sinn. Es ist ein ideales Fahrzeug für Kurzstrecken und beansprucht kaum mehr Parkraum als ein Fahrrad.

Der Zweitakt-Motor hätte durch technische Weiterentwicklungen durchaus ein Chance gehabt, wurde aber von der EU abgewürgt. Es gibt auch Zweitakt-Dieselmotoren mit hohem Wirkungsgrad, aber man erklärt hierzulande lieber einen Porsche Cayenne als besonders umweltfreundlich (grüne Umweltplakette), damit vor allem der Wirtschaftsmotor der Automobilindustrie schön rund läuft.

 

Welche Simson-typischen Schwächen gibt es?

Undichte bzw. ständig lose Auspuffanlagen, defekte Krümmergewinde beim SR, durchbrennende Glühlampen, fummelige Einstellung bei Kontaktzündung, abgerappelte Schrauben, gerissenes Lenkkopflager beim SR vor BJ. 1989 und ein anfälliges Motorlager. Fast alle Schwächen lassen sich mit Tricks und modernen Austauschteilen ausmerzen. Etwas Bastelaufwand und Improvisationstalent sind aber trotzdem nötig. Mit einer normalen Schrauber-Werkzeugkiste, kann man fast alles reparieren, es ist nur wenig Spezialwerkzeug nötig.

 

Mein Simson-Motor läuft nicht (richtig) - wie kann ich das Problem einkreisen?

Meine Lösung: Simson Erste Hilfe, oder bei komplexeren Problemen einfach mal nett in einem der zahlreichen Simson-Foren fragen.