MZ Vergaserreinigung

 

Die Wellness-Kur für alte Motorrad-Vergaser

Der 28er BVF-Vergaser meiner MZ ES 250/2 ist ein seltenes Ersatzteil und dazu noch sensibel einzustellen. Gerade deshalb habe ich mir für ein paar Euro einen gebrauchten Zweitvergaser besorgt, der allerdings im Schwimmerbereich völlig verdreckt war. Wasser und Benzin hatten das Metall über die Jahre mit Harz, Rost und Korrosion überzogen. Selbst der Geruch war unerträglich. Diesen Vergaser möchte ich mit einwandfreien Düsen, neuem Schwimmer und neuen Dichtungen wieder einsatzfähig machen.

Dazu gab mir jemand aus dem MZ-Forum einen wirklich guten Tipp. Bevor man die Teile stundenlang in giftigen Flüssigkeiten wie Aceton, Benzin oder Biodiesel mit Atmeschutz und Gummihandschuhen im Freien bürstet, ist ein simples Einlegen in heißes Wasser mit Backpulver die im wahrsten Sinne des Wortes bessere Lösung. Man braucht dafür nur:

einen dreckigen, korrodierten Vergaser in EInzelteile zu zerlegen
ein Gefäß in dem die zerlegten Vergaserteile Platz finden
ca. 3-5l 60 Grad heißes Wasser
3-5 Tüten Backpulver
eine alte Zahnbürste o. ähnliches
2-4 Stunden Zeit


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Vergaserreinigung mit Backpulver

 

So sah die Schwimmerkammer nach dem Öffnen aus. Rost, Harz, Korrosion haben das Material oxidieren lassen. Eine radikale Reinigung ist erforderlich, dazu wird der Vergaser zunächst komplett in seine Einzelteile zerlegt. Zerstörungsfrei ist das nur mit exakt passenden Schlüsseln und gutem Schraubendreher möglich. Schwimmer, abgelutschte Düsen und Dichtungen werden hinterher ersetzt.

 

 

Wie Schimmel überzieht die Korrosion Eisen-, Stahl-, Messing- und Aluminiumteile. Die Schwimmerachse ist festgegammelt und wird erst in sauberem Zustand entfernt um die empfindlichen Aufnahmelaschen nicht zu beschädigen.

 

 

In einem 10l-Eimer habe ich ca. 4 Liter 60 Grad warmes Wasser eingefüllt. Im ersten Durchgang kommen insgesamt 3 Tüten herkömmliches Backpulver dazu. Die einzelnen Vergaserteile werden für ca. 2-3 Stunden eingelegt.

 

 

Das Ergebnis nach dem ersten Durchgang: Schon viel besser. Rost und Korrosion haben sich schon fast ganz verabschiedet. Die Teile werden gründlich gespült und mit einer kleinen Bürste abgerieben.

 

Nicht zu empfehlen ist die Behandlung mit Gebißreiniger wie Corega Tabs oder Kukident: An dem Aluminium bilden sich weiße Ausflockungen, die man wieder abbürsten muss. In den feinen Kanälen des Vergasers verstopfen diese Flocken mehr als sie nutzen.

 

 

Nach dieser Prozedur habe ich alles einfach nochmal in ein zweites Bad mit Backpulver gelegt. Nach zusätzlichem Abbürsten mit "Ako-Pads" u. Scheuermilch sahen die Teile aus wie oben. Die letzten Reste kann mechanisch mit Bremsreiniger oder Spiritus entfernen. Die weichen Messing-Düsen dürfen keinesfalls mit Draht gereinigt werden.

 

In einem Ultraschallbad kann man die letzten Schmutzpartikel gut entfernen. Ohne dieses Bad würde ich die Teile vor dem Zusammenbau unbedingt nochmal mit Benzin spülen um die letzten Schwebteilchen herauszuspülen. Die Teile müssen vor dem Zusammenbau penibel sauber sein.

 

 

Da das Vergaserinnere während des Betriebs jahrelang im Kraftstoff schwimmt, würde ich hier keinerlei Dichtungspasten verwenden, sondern nur neue Dichtungen.

Hinweis: Ich übernehme keine Verantwortung für dieses Verfahren!

 

Weitere Reinigungsverfahren verdreckter Vergaser nicht nur für MZ-Motorräder:

Der Soda Blaster: www.aircooledtech.com/... setzt einen kleinen Kompressor voraus (English).

Zur Behandlung mit Biodiesel, Kaltreiniger oder Backofenreiniger habe ich bisher keine eigenen Erfahrungen gemacht. Auch diese chemischen Keulen sollen gut helfen, sind aber giftig und müssen anschließend entsorgt werden. Schreibt mir bitte Eure eigenen Erfahrungen per Email - danke.

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