MZ ES 250-2 / ES 175-2 Reparatur und Instandhaltung 2010 (-3-)

 

Reparaturen an meiner MZ ES 250-2



Die Idee eines MZ-Vorbesitzers mit einer O-Ringkette im Kettenkasten war schlecht. Dummerweise brauchte ich zwei durchgescheuerte Kettenschläuche lang, um zu begreifen, dass hier irgendetwas nicht stimmte. Das Hinterrad drehte sich auch nicht sonderlich leicht. Der ursprüngliche Verdacht falsche Billig-Kettenschläuche zu fahren entpuppte sich als falsch. Richtig dagegen war der Tipp aus dem Forum: Die Kette ist durch die O-Ringe für die MZ-Kettenschläuche einfach 4mm zu breit. Oben im Bild der Größenvergleich der beiden MZ-Kettenschlösser zwischen O-Ring- und Rollenkette. Die normale MZ Rollenkette ist schmaler und läuft auch in den Ketten-Schläuchen ganz leicht. Bei nur knapp 20 PS eine spürbare Erleichterung für den alten Motor. Vor roten Ampeln kann man das Gas nun viel früher wegnehmen und ausrollen.



Der neue Sitzbankbezug paßte wie angegossen. Durch die aufbiegbaren Blechlaschen der alten MZ-Sitzbank war das Neubeziehen fast ein Kinderspiel. Leider wurde der neue Sitzbezug mit sehr starken Knicken / Falten ausgelierft - dies war ein Fall für den Fön bzw. die Wärmflasche. Durch mäßige Wärme ziehen sich die Falten raus.



Undichte MZ Federbeine vorn. Bei schnelleren Fahrten wunderte ich mich immer über helle Ölspritzer vorn am Motorgehäuse und an meinen Stiefeln. Des Rätsels Lösung waren gleich zwei undichte Öldruck-Stoßdämpfer vorn, dessen Kolben gut getarnt unter schwarzen Kunststoffhülsen sitzen. Verräterisch glänzte nur eine winzige Ölspur an wärmeren Tagen in der Sonne. Selbstverständlich kann man die MZ-Dämpfer mit einem Spezialwerkzeug noch selbst aufschrauben, um O-Ringe, Dichtungen und Ölfüllung zu tauschen. Als ich die Dämpfer in der Hand hatte entschied ich mich aufgrund des wirklich abgenudelten Zustands dann aber für ein paar gebrauchte Austauschdämpfer, die neu regeneriert wurden. Man erkennt regenerierte ES-Stoßdämpfer der MZ an der abblätternden schwarzen Farbe...



Das MZ Kerzenstecker Weltbild ist durch zwei Glaubensrichtungen geprägt: BERU Blechstecker, metallumantelt, 1kOhm, Serienlook ("KS80-Outfit") gegen den kleineren Ngk Kunststoffstecker, 5kOhm. Eine Ohmzahl zwischen 1und 10 ändert das Zündverhalten der MZ nicht im Geringsten. Nur bei Wassereinbruch und sonstigen Zündstörungen gehen die Meinungen der MZ-Fahrer-innen erheblich auseinander. So wird bei Winterfahrten z.B. empfohlen den Blechmantel des Berusteckers abzumachen. Ich habe mich für den NGK-Stecker entschieden, da die Kerze etwas besser gekühlt wird und ich mit diesem Stecker auch vor 20 Jahren nie Probleme hatte. Er lässt sich leichter abziehen und dicht ist er sowiso.

 

MZ- Reparaturliste 2010


Defekten Kettenschlauch gewechselt
Bremshebel und Zugstange für optimale Hebelkraft justiert
Sitzbank gegen gebrauchtes Originalteil getauscht und neu bezogen
Aluminiumteile poliert

HS1 Scheinwerfer eingebaut
Zu breite und schwergängige O-Ringkette gegen neue Rollenkette getauscht
No-Name Glühlampe vom Bremslicht durchgebrannt - gewechselt
Ausgefallene Tachobeleuchtung repariert, herausgefallenes Kabel wieder angeschraubt
Umbau auf stromsparendes Tagfahrlicht - nur Abblendlicht an statt Standlicht, Rücklicht und Tachobeleuchtung
Einbau anderer Teillastnadel und Vergaser-Gummimaschette

Austausch beider Dämpfungselemente vorn wegen Ölverlust gegen regenerierte original-DDR-Dämpfer
Sabbernde Krümmerdichtung zum Zylinder mit Auspuffmontagepaste "Fire-Gum" abgedichtet - Probefahrt erfolgreich
Original Vergaserabdeckung poliert und stolz als eines der bis zuletzt fehlenden Teile eingebaut
Schwarzen Benzinhahn Wassersack gegen original durchsichtigen MZ-Wassersack getauscht - Liebhaberei...
Felgen und Schrauben poliert
Das wichtige Bremslicht geht mal wieder nicht, diesmal scheint der Kontakt im Hinterrad defekt zu sein :-(

Zu langen Kupplungszug gegen einen in richtiger Länge gewechselt (90 cm bei flachem Lenker)
Zwei 6 Volt Halogen-Lampen in nur 500 km durchgebrannt, zunächst den alten Bilux Scheinwerfer wieder montiert
Haltebügel von der MZ ETZ von 230 mm auf 190 mm im Schraubstock zusammengebogen und montiert - prima!
Kette nachgespannt
Getriebeöl bei 17.800 km gewechselt (750ml Addinol SAE80 GL3)
Eingebaute 50er Leerlaufdüse gegen eine 45er getauscht (Standard ist 40), minimal stärkeres Schieberuckeln spürbar aber keine Rauchwolken nach langen Rotphasen mehr und immer noch gute Gasübergänge. Hoffe der Verbrauch (derzeit gut 5 Liter auf 100 kml) geht dadurch noch etwas runter.
Elektronische Vape Zündung eingebaut
Wackelkontakt im neuen Rundsicherungshalter
Umbau auf moderne Flachsicherungshalter
21.170 km BING-Vergaser eingebaut. Standarddüsen noch vor dem Einbau geändert (fetter) auf HD 122 und LLD 45
Bedüsung geändert (fetter) da Kerzengesicht zu hell: HD 126 und LLD 50
Testverbrauch bei vorsichtiger Fahrt nun 4,3-4,5 Liter auf 100 km
21.500 km (dritter Gang fliegt ständig raus) Motor ausgebaut, alle Motorlager gewechselt, Getriebe überholt
Blinkerglühlampe rechts ersetzt

... Die Liste meiner MZ Reparaturen wird ständig erweitert! Siehe hier 2011...

 

MZ-Schraubers Tagebuch 2010

März 2010: Der MZ Krümmer sabbert - das Federelement vorn rechts auch
Die "Öl-spritzt-bei-Vollgas-aus-dem-Krümmer-Geschichte" habe ich auch noch nicht in Angriff genommen. Dieser scheinbar kleine Makel entpuppt sich als extrem lästig, da sich der MZ-Fahrer so jede Hose mit kleinen Ölspritzern zusaut. Zusätzlich läuft seit den gestiegenen Frühlingstemperaturen und anscheindend nur bei schneller Fahrt zusätzlich Öl aus einem vorderen Dämfungselement heraus und verteilt sich durch den Fahrtwind über den ganzen Motor, die Stiefel, die Seitendeckel. Das kann so nicht bleiben, zumal die Dämpfwirkung der MZ vorn erheblich nachgelassen hat.

März 2010: Samstag Abend
bin ich ohne Benzin liegen geblieben und musste ca. 4 km weit schieben. Wie blöd muss man eigentlich sein? Merke: Nach ca. 300 km muss der MZ-Fahrer auf Reserve umschalten, nach ca. 340 km ist auch die Schwimmerkammer bis auf den letzten Tropfen leer gesaugt. Ich hatte zwar nicht ganz voll getankt, dachte die Reserve hält locker 50 km .... ist natürlich kein Autotank! Schütteln und den Tank zur Seite neigen hilft übrigens nicht. Aber Schieben hilft!

März 2010: Mittwoch Abend
stand ich mit völlig leerer Batterie vor meiner Arbeitsstätte. Ein Anruf beim ADAC half, anschieben in Schlüsselstellung "leere Batterie" übrigens nicht. Der gelbe Engel war nicht für 6V-Oldtimer gerüstet. Aber mit 12V konnte die vom Bordnetz abgeklemmte(!!!) Batterie in 30 Sekunden soweit wiederbelebt werden. Nach zwei Kicks erwachte der leicht versoffene Motor zum Leben und ich konnte problemlos nach Hause fahren. Sicherlich war das Parklicht über mehr als 9h an... das ist ganz schlecht bei einer Batteriezündung in kombination mit eletronischen Regler. Und war ganz schlecht für meine geplante Feierabendgestaltung.

Ende Mai 2010: Morgens vor der Arbeit
Die VAPE-Zündung ist nach zwei durchgeschraubten Tagen sauber eingebaut. Stolz fahre ich morgens zur Arbeit. Nach zwei Kilometern funktionieren weder Blinker noch Hupe -das Bremslicht wahrscheinlich auch nicht. Ok denke ich - es hätte alles so schön sein können, aber die Elektrik ist einfach noch nicht ganz sauber. Trotz mehrerer Probefahrten am Wochende. Komisch das es jetzt e i n f a c h s o nicht mehr funktioniert. Kein Batteriestrom vielleicht? Ich entscheide mich dafür einfach ohne Blinker weiter zur Arbeit zu fahren und beim Parken nochmal die Batterieanschlüsse zu checken. Zeit für eine Reparatur bleibt vor Feierabend sowieso nicht. Nach mehreren Winkewinke-Handzeichen, 21 km später nach einem kurzen Blick unter den Seitendeckel stelle ich fest, dass der nagelneue Tante Louise Torpedo-Sicherungshalter versagt hat. Die Sicherung hat sich vom Kontaktblech in den Kunststoff gearbeitet, diesen leicht angeschmolzen und konnte dadurch keinen Strom mehr leiten. Ich fasse es nicht.
Jetzt verstehe ich plötzlich , warum mir viele im MZ-Forum dazu geraten haben unbedingt auf normale KFZ-Flachsicherungshalter umzubauen. Ich nehme mir vor, diese Cent-Teile sofort zu bestellen. Die Torpedo-Sicherung habe ich einfach verdreht wieder eingesetzt und die MZ Bord-Elektronik funktionierte sofort wieder.

Juli 2010: TÜV
Der DEKRA-Prüfer ist begeistert von der MZ. Die HU geht in fünf Minuten absolut problemlos über die Bühne, eine AU benötigt man bei BJ. 1969 nicht.

September: 2010
Die MZ ruckelt beim Beschleuigen im dritten Gang nun permanent. Es fühlt sich an wie Zündaussetzer, ist aber in Wirklichkeit ein verschlissenes drittes Gangradpaar im Getriebe. Der Motor muss ausgebaut und geöffnet werden. Das Getriebe ist nicht an den Zahnflanken selbst verschlissen sondern an den Hinterschneidungen der Nuten, mit denen die Zahnräder ineinandergreifen. Bei dieser Gelegenheit werden gleich alle Motorlager gegen neue ausgetauscht. Danach läuft der alte Motor wieder problemlos und das Getriebe lässt sich besser schalten als vorher.

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