MZ Motorgehäuse und Getriebe von außen abdichten

 

Ölverlust und Undichtigkeiten am Motor stoppen, ohne den Motor zu öffnen

Bei 32.400 km und den ersten wärmeren Tagen im Jahr 2013 fing wieder das Getriebeöl aus dem Motorblock der alten MZ zu tropfen. Diesmal tendenziell eher auf der rechten Seite des Getriebes (linke Seite - siehe hier). Unter dem Motorrad lag nach nur zwei Stunden parken ein bierdeckelgroßer, häßlicher Ölfleck. Keine gute Sache. Ich demontierte den Zündungsdeckel und sah dort eine leichte Öl-Pfütze liegen. Hier tropfte das Öl irgendwo aus dem Getriebe bzw. aus dem Motorblock. Dafür kamen laut MZ-Forum genau 3 typische Stellen in Betracht, die man bei schwierigen Fällen auch genauer lokalisieren kann. Dazu wird der trocken gewischte Motorblock dick mit Mehl oder hellem Puder bestäubt und am nächsten Tag geguckt, wo sich Ölspuren bilden. Auf dem nackten Metallgehäuse allein ist es viel schwieriger undichte Stellen zu endecken. Dies sind die typischen 3 undichten Stellen an MZ Getrieben:


1. Blauer Pfeil: Das Öl läuft aus dem undichten Leerlauflichtschalter, weil sich das Vierkantstück gelöst hat, der Kunststoff zerbröselt ist oder der Schalter überhaupt nicht richtig abgedichtet wurde - z.B. mit Hylomar.

2. Weißer Pfeil: Das Ritzel von alten MZ-Motorrädern sitzt auf einer Verzahnung ohne Abdichtung gegen das Getriebeöl. Schlägt die Verzahnung etwas aus, oder lockert sich die Mutter des Ritzels, muss dieses mit einer elastischen Dichtmasse auf der Verzahnung montiert werden, da sonst weiterhin permanet Öl austritt. Auf dem Bild zu erkennen sind leichte Fliehkraftspuren von austretendem Öl - allerdings viel zu wenig für mein Leck.

3. Orangener Pfeil: Eingepresste Stopfen / Deckel, die vor über 40 Jahren mit einem uralten DDR-Kleber abgedichtet wurden. Hier liegt meiner Vermutung nach die undichte Stelle. Von den Deckelchen gibt es drei Stück, welcher davon undicht sein könnte, ist rein optisch nicht auszumachen. Deshalb werde ich gleich alle drei Stopfen neu abdichten.



Nochmal zum Ritzel: Deutlich zu erkennen ist die Verzahnung, die nicht ausgeschlagen sein darf, oder sonst zusätzlich gedichtet werden muss. Wäre das Öl hier herausgekommen, hätte man auf der Rückseite deutliche Fliehkraftspuren gesehen. Das Ritzel ist aber völlig trocken, auch der Wellendichtring in dem es läuft ist unbeschädigt - also muss das Öl woanders herkommen.



Ein beliebter Montagefehler am MZ 250 Viergangmotor ist die Montage eines Ritzels mit zu kurzem oder zu breitem Schaft. Dann kann natürlich auch Öl fließen, da der Schaft selbst von einemumschließenden Wellendichtring abgedichtet wird. Mein Ritzel ist knapp 18 mm breit und passt exakt zum Motorgehäuse. Auch die runde 4-Loch Papierdichtung hinter dem Ritzel in Augenschein nehmen (siehe Bild weiter unten).



Detailaufnahme des Leerlauflichtschalters. Alles abgedichtet, fest und nichts zerbröselt?


Dies ist mein hauptverdächtiger Stopfen, der für den Ölverlust verantwortlich sein könnte....



.... oder eben der Stopfen darüber.



Bevor man mit dem Abdichten des Getriebes beginnt, kann man sich das Ablassen des Getriebeöls mit einem Trick ersparen: Motorrad mit nicht gerade randvollem Tank einfach SEHR  SCHRÄG auf die Seite legen...



...und mit der Fußraste auf einem stabilen Gegenstand wie einem (Bord-) Stein oder einem Kochtopf ablegen. Das Getriebeöl darf natürlich nicht in den Kleber laufen. Die Dichtstellen müssen 100%ig fettfrei sein, sonst ist alles umsonst.



Das unbedingt benötigte Material, um undichte Stopfen, Stellen oder sogar Haarrisse am Motorgehäuse von außen wieder dicht zu bekommen: Bremsenreiniger (evtl. noch Silikonentferner) und 2-Komponentenkleber. Dieser sollte 24h aushärten können, ohne mit dem Getriebeöl in Verbindung zu kommen. Bitte auch bedenken, dass die Dichtstelle Temperaturschwankungen von 90 Grad Celcius aushalten muss. Das muss also schon sorgfältig gemacht werden. Es gibt Leute, die die Metalldeckelchen auch mit Epoxy Harz, UHU hart, Dirko rot oder einer guten, silikonähnlichen Gehäusedichtmasse wieder dicht bekommen haben. Hylomar oder Silikon sind jedenfalls ungeeignet, da zu weich.



Nachtrag September 2013: Ich würde diese Reparatur in Zukunft nicht mehr mit aushärtendem Kleber machen, da die Stahl-Deckelchen im Alugehäuse stark arbeiten und den Kleber knacken. Besser ist also eine leicht elastische Dichtmasse mit silikonähnlichen Eigenschaften, wie z.B. Dirko HT. Weiterer Reparaturverlauf siehe unten. Der Rest der Anleitung passt aber.


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Man kann versuchen die Stopfen vorsichtig mit einem Dorn etwa 1mm weiter in den Motor zu schlagen. Aber keine Gewalt anwenden. Bei mir ging es nicht weiter, die Deckel bekamen Beulen. Ich habe diesen Schritt dann einfach gelassen. Der alte Kleber wird mit einem Schraubendreher möglichst restlos entfernt. Eine kleine Drahtbürste ist Gold wert. Auch die runde 4-Loch Papierdichtung, die mit 4 (abgedichteten!) Schrauben hinter der Dichtkappe auf der Abtriebswelle sitzt, wird an der MZ gerne mal undicht. Sie kann von außen samt dem dahinterliegendem Wellendichtring erneuert werden.



Die Dichtstellen habe ich zur Sicherheit mit Schleifpapier angeraut und mehrfach entfettet: 3 x mit Bremsreiniger und 3 x mit Silikonentferner und einem harten Pinsel. Alles muss wirklich ganz penibel gereinigt werden. Wichtig ist die Ritze zwischen den Deckelchen und dem Gehäuse möglichst ölfrei zu bekommen (Kapillarwirkung von Öl). Dies ist genau der Punkt, an dem der Kleber dichten soll.



Der Zweikomponentenkleber wird angemischt. Man hat ca. 10 Minuten zur Verarbeitung. Leider läuft der flüssige Kleber beim Auftragen immer nach unten. Mit einem Fön kann man den Vorgang des Aushärtens beschleunigen und bekommt dickere Schichten hin, da der Kleber in Sekundenabschnitten zähflüssiger wird.



So sah es bei mir nach 10 Minuten Kleber auftragen aus. Nicht gerade schön, aber...



Alle eventuell undichten Stellen wurden großzügig abgedichtet. Das Motorrad muss über Nacht auf der Seite liegen bleiben, damit das Getriebeöl nicht mit dem Kleber in Verbindung kommt, bevor dieser richtig ausgehärtet ist.



Trotzdem kann man natürlich schon wieder alles zusammenbauen. Ritzel drauf, Kette schließen, Tachoantrieb montieren, der Zündungsdeckel kann zur Kontrolle erstmal demontiert bleiben, ich war allerdings gleich optimistischer...



Den Motorblock habe ich von unten trocken geputzt, um genau kontrollieren zu können, ob das Getriebe nun wieder dicht ist. Die erste Probefahrt am nächsten Tag erschien vielversprechend: Keine Tropfen mehr am Motorgehäuse, alles trocken unter dem Motorrad nach 20 km und 3h Parkzeit. Vorher unbedingt noch den Ölstand kontrollieren, wenn man nicht weiß, wieviel man verloren hat, sonst ist das MZ Getriebe samt Kurbelwellenlager schnell zu Schrott gefahren!



Dieses Bild zeigt, wie sich auslaufendes Getriebeöl mit der Zeit schon innen am hinteren Kotflügel verteilt hat.

 

Fazit MZ-Getriebe von außen abdichten

Der Versuch des Abdichtens von außen lohnt sich meiner Ansicht nach unbedingt, bevor man den ganzen Motor ausbaut und womöglich noch spaltet, um gleich alle Dichtungen zu erneuern. Ich empfehle vorher nichts unversucht zu lassen, bevor man den Motor öffnet, weil man es "vernünftig machen" möchte. Das lohnt nur dann, wenn der Motor sowieso bald geöffnet werden muss.
Die Lokalisation eines winzig kleinen Öl-Lecks erfordert allerdings viel Geduld und einige Probefahrten, bevor man halbwegs sicher sein kann, die undichte Stelle wirklich gefunden zu haben. Bei mir und vielen anderen MZ-Treibern konnte das Getriebe auf diese Weise wieder zuverlässig abgedichtet werden. Lediglich der 2K-Kleber kostet unglaublich unverschämte 16,- EUR im Baumarkt. Aber dafür spart man sich gut einen bis zwei Tage Arbeit und viele Dichtungen, die auch Kosten verursachen. Falls der Kleber nicht hält, berichte ich an dieser Stelle nochmal. Stand April 2013

 

Der Kleber wurde wieder undicht - Nachtrag September 2013

Eines der Deckelchen wurde 4 Monate später nach dem heißen Sommer wieder undicht. Der Kleber war aufgerissen und das Öl tropfte wieder heraus. Vermutlich arbeiten die Stahlstopfen in dem MZ Aluminiumgehäuse doch stärker als gedacht. Das hat mich überrascht. Wahrscheinlich war die Harz-Schicht auch zu dick aufgetragen.


Ich habe den alten Kleber weitestgehend entfernt und den Motor genau wie oben beschrieben mit einer Gehäusemontagepaste auf Silikonbasis abgedichtet: Z.B. mit "Reinzosil 300", es funktionieren sicher auch andere, flexible Dichtmassen speziell für Motorgehäuse. Ob es so dicht wird? Stand September 2013

 

Nein, nein, nein! Die Dichtungspaste wurde wieder undicht - Nachtrag November 2013

Es war leider nicht dicht. Dies scheint eine echte Prüfung zu werden. Erst mein hartnäckiges Nachfragen im MZ-Forum brachte es ans Licht: Diese Reparatur ist überhaupt nicht trivial, sondern erfordert eigentlich das Spalten des Motors und ein verschweißen dieser völlig bescheuerten Löcher im MZ-Getriebe. Die Deckel wandern auch offensichtlich - vergleiche Foto oben. Arrrrghhhh! Ich versuche es mit der Deckel auf Deckel-Methode, geklebt und und gedichtet mit Dirko rot. Vorher muss ich natürlich mühsam wieder alle bisherigen Kleberschichten entfernen. Eine runder Drahtbürstenvorsatz in der Bohrmaschine ist mir dabei behilflich. Wieder wird alles penibel entfettet. Die Beschichtung des Kronkorkens wurde entfernt und alles mit Schleifpapier angeraut. Stand November 2013


Zum aushärten der Dirko-Dichtmasse unter dem Kronkorken habe ich das Motorrad unangetastet 3 Tage auf der Seite liegen lassen. Ob es diesmal dicht ist, zeigt erst wieder die nächste Probefahrt und vor allem der Dauereinsatz. Wäre nach diesem Dichtungsmarathon ja zu schön, um wahr zu sein. Zum Motorradfahren passt natürlich nur alkoholfrei!
Stand März 2016 - hält immer noch dicht !!!

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