Entwicklung und Geschichte der MZ ES 250 / 2, ES 175 / 2 und ETS 250

 

Auflagen für die Entwicklung der großen MZ ES 250 / 2 - und 175 / 2 Serie

1956 war die Geburtsstunde der großen ES-Typenreihe mit der MZ ES 250 und 175 (auch "Strich Null" genannt). Über 10 Jahre erfolgten eher kleine Verbesserungen am Fahrwerk und weitere Leistungssteigerungen bei gleichzeitig gesenktem Verbrauch und Geräuschemissionen. Danach war das Konzept der Typenreihe ES/1 ausgeschöpft und man begann mit der Konstruktion der neuen "MZ - ES/2 Serie" mit folgenden Zielen:

Werbung



Konstruktion eines sportlichen Gebrauchs-Motorrads
hoher Fahrkomfort, hohe Fahrsicherheit, hohe Standfestigkeit
Seitenwagenkompatibilität (die ES/2 wurde die beste Gespannmaschine in der gesamten MZ Geschichte)
Erhöhung der Motorleistung gegenüber der ES/1-Serie
Verringerung des Motorrad-Geräuschpegels und der Kupplungshandkraft
Besonderheiten: MZ baut die ES-Serie weltweit mit der ersten elastischen Motoraufhängung und dem ersten
      asymetrischen Scheinwerfers bei einem Motorrad (mit 170mm, 40/45 W Lichtleistung aus dem PKW Trabant)

 

Technische Neuerungen der MZ ES 250 / 2 und ES 175 / 2 gegenüber der MZ ES / 1 Serie

Neu konstruierter Rahmen und Lenkkopflager in neuem Herstellungsverfahren
Neu konstruierter, leichterer aber verwindungssteiferer Vorderträger aus Magnesium
Breitverrippter Motor mit größerer Kühlfläche und schalldämpfenden Gummielementen
Lagerung des oberen Kolbenbolzens durch ein Nadellager (die Pleuelführung erfolgte jetzt durch den Kolben)
Führung des Fußbremshebels über die Auspuffanlage, um größere Schräglagen zu gewährleisten
Änderung des Kupplungsbelags, der Getriebelager, Verwendung von Getriebeöl GL60 Wartungsintervall 20.000 km
Ausführliche Nullserientests mit 25 Fahrzeugen über insgesamt 650.000 km heben die Verschleißgrenze im Alltag auf      50.000 km an. Einzelne Fahrzeuge aus dem Testfuhrpark erreichten dabei über 70.000 bzw. sogar 90.000 km.

 

Änderungen der Baujahre von 1967 - 1973 an der MZ ES 250 / 2 und ES 175 / 2

Ab Februar 1968 Änderungen der Kurbelwelle durch angeschmiedeten Mittelzapfen, dadurch erhöhte Standzeit
      und einfacheres Herrstellungsverfahren
Seit Dezember 1967 sind Beinschutzbleche als Zubehör im Handel erhältlich
1968 Wiedereinführung der "Linierung" an schwarzen Fahrzeugen auf Kotflügeln und Verkleidung
1968 Aufschrift "Trophy" am Tank, die auf den fünfmaligen Gewinn der Sechtagefahrt in Serie hinweist
Ab Mai 1968 Auslieferung von schwarzen Luxus Ausführungen mit der Kennzeichnung "De Luxe" mit rotem
      Tank und rotem Lampengehäuse
Besonderheiten "De Luxe": Polierte Kupplungs-, Lichtmaschinendeckel, Radkörperdeckel und Gegenhalter
Gesteigerte Motorleistung um 1,5 auf 19 PS bei 5000-5500 U/Min durch:
Ab 1969 Erhöhung der Vedichtung, Änderung Einlasspartie an Zylinder und Ansaugstutzen, Vergaser BVF
     28 N 1-3 geänderter Endschalldämpferersatz
Mitte 1970 Leistungsteigerung am 175/2-Triebwerk auf 14,5PS bei 5000-5400 U/Min. Erhöhung der
      Verdichtung und Einführung des 26 N 1-2 Vergasers
1972 fliehkraftreglerlose Zündung

 

Unterschiede zur MZ ES 175 / 2

Bauzeit etwas kürzer - von 1967-1972
Stückzahl ca. 40.000 gebaut - also war nur jede dritte bis vierte ES/2 eine 175er
Gegenüber der ES250/2 war die 175er preislich ungefähr immer 200 - 300,- Ostmark billiger
Ruhiger und weicherer Motorlauf als der 250ccm Motor
Der 175 ccm Motor hat eine abgeänderte Kurbelwelle (der Hubzapfen ist aus Vollmaterial)
Die Fahrleistungen sind aufgrund des hohen Gewichts nur unwesentlich höher als die der kleineren MZ
      ES 150/1, die ca. 600,- Mark Ost günstiger war. Dadurch brach die Nachfrage nach der 175er ab 1969 ein.
Die Geschwindigkeit der ES 175/2 ist an Steigungen und auf der Geraden nur geringfügig höher als die
      der ES 150/1. Dafür hat die ES/2 eine höhere Zuladung, eine sehr gute Kühlung durch den Breitrippenzylinder
      und den elastisch aufgehängten Motor, der für hohen Fahrkomfort sorgt.

Vielen Dank für die ES 175er Infos an Christof aus dem MZ-Forum.

Identische Baugruppen der MZ ES 250 / 2 und der MZ ETS 250

Rahmen im Grundaufbau gleich, bei der ETS fehlen lediglich ein paar Befestigungs- Laschen und -Winkel für
      Scheinwerfer, Lenkungsdämpfung, Einzelsitze, Sitzbankschloß
Motor und elastische Motoraufhängung sind gleich
Bremsen vorn und hinten, Ansauganlage, Auspuff mit Aufhängung und Befestigung
Hinterradschwinge mit Rad, Federbeinen und Kettenantrieb
Kippständer und Fußrasten sind ebenfalls identisch
Batterie, Zündlichtschloß, Regler, Sicherungen der elektrischen Anlage (Kabelbaum wahrscheinlich auch)

 

Unterschiedliche Baugruppen zur MZ ETS 250

Ölgedämpfte Teleskopgapel anstatt Vorderradschwinge
Schmaler, sportlicher Stummellenker, einstellbar
18 Zoll Vorderrad
Großer Tank mit 22 Liter Kraftstoff (Reichweite 400-450km)
Kleinerer Scheinwerfer 160 mm statt 170 mm mit eigenem Gehäuse bis 1971, danach wie bei der ES 170 mm
Sportlichere, nach hinten zulaufende Sitzbank mit Werkzeugfach hinten
Kleinere, kürzere Kotflügel, neue und kleinere Seitenverkleidungen als an der ES / 2

Quelle: 60er Jahre Ausgaben der KFT (Zeitschrift Kraftfahrzeugtechnik der DDR) - alle Angaben ohne Gewähr


Weiter zu "Das MZ Motorrad"