MZ ES FAQ

 

Fragen und Antworten rund um die MZ ES 250/2, MZ ES 175/2 und weiteren MZ-Oldtimern

Kann man ein Oldtimer-Motorrad wie die MZ ES 250/2 bedenkenlos im Alltag einsetzen?

Zunächst einmal muss die Verkehrssicherheit hergestellt werden. Der Alltagseinsatz der ES ist dann bedenkenlos, wenn die Elektrik vernünftig gewartet ist - ein 12 V Umbau ist auf Dauer lohnenswert. Wie bei anderen Oldtimern auch besteht an der alten MZ fast alles aus Blech. Deshalb ist von bewußten Regenfahrten oder nassen Laternenparkplätzen abzuraten, da "das Eisenschwein" dafür einfach zu schade ist. Das Gleiche gilt für den winterlichen Gespannbetrieb, der unter MZ-Fans immer noch Kult ist. Zu einem MZ-Treffen im Schnee zu fahren ist völlig ok. Streusalz über mehrere Tage oder Wochen am Motorrad ist aber Gift für altes Blech. Auf permanente Autobahnraserei sollte man mit der ES ebenfalls verzichten. Laut einigen Reiseberichten kann man längere Strecken auf der Solomaschine dauerhaft mit ca. 100 km/h gut bewältigen.

 

Wie hoch ist der Benzinverbrauch ohne Beiwagen bei normaler Fahrweise im Schnitt?

Zwischen 4,5 - 6 Liter Gemisch 1:33 (heute bis 1:50 freigegeben) fließen auf 100 km je nach Fahrweise durch den Vergaser der MZ ES 250/2. Bei Vollgas auf der Autobahn ist es mehr, bei zurückhaltender Fahrweise überland kommt manch einer mit guter Motoreneinstellung sogar mit weniger als 4,5 Litern aus. Mit einem vollen 15 Liter Tank sind so Aktionsradien von bis zu 330 km möglich. Die ES 175/2 verbraucht gut einen halben Liter weniger.

 

Kann man den Verbrauch mit einem BING-Vergaser und einer Vape-Zündung oder anderen Maßnahmen senken?

Man kann, aber wahrscheinlich sinkt der Verbrauch dadurch maximal um ca. einen halben Liter. Es ist vor allem eine Frage der Bedüsung: Eine (zu) magere und damit sparsame Bedüsung ist bei MZ bereits ab Werk eingebaut. Bei einer fetteren Einstellung steigt zwar der Verbrauch etwas an, aber dafür sinkt das Kolbenklemmer-Risiko wie bei modernen Zweitaktern gegen Null, auch wenn bergauf mal längere Strecken im WIndschatten eines LKWs gefahren werden.

 

Welches Öl muss ich tanken?

Eine moderne Getrenntschmierung hat sich bei MZ erst später durchgesetzt und dann trotzdem für viele Motorschäden durch Ölmangel gesorgt. Bei der Gemischschmierung muss man das Öl beim Tanken in den Tank schütten. Einfaches 2-Takt-Öl genügt. Die Mischung von 1:33 muss bei den heutigen Ölen nicht mehr zwingend eingehalten werden. Man kann angeblich sorglos 1:40, 1:50 oder mit noch weniger Öl fahren (Angabe aus Büchern und Forum - ohne Gewähr).

 

Hat das Motorrad besondere Schwachstellen, bzw. worauf muss ich beim Kauf besonders achten?

Die Simmerringe vom Motor sollten in den letzten 15 Jahren schonmal erneuert worden sein. Die Schwingen und das Lenkkopflager dürfen nicht ausgeschlagen sein, sonst müssen in einer aufwendigen Reparatur neue Buchsen in die MZ eingesetzt werden. Die große Frage ist dann noch, ob man den dicken Schwingenlagerbolzen nach 40 Jahren Streusalz überhaupt noch zerstörungsfrei auf dem Rahmen bekommt. Als Ersatzteile sind die Einzelsitze der NVA 2 A Version, der Auspuff, Tacho, Federbeine, Luftfilterkasten und einige Blech- und Kleinteile für MZ-Niveau relativ teuer. Im Vergleich zu japanischen Ersatzteilpreisen aber noch immer sehr, sehr günstig.

 

Bekommt man noch alle MZ Ersatzteile so gut wie bei Simson-Mopeds?

Die meisten Verschleißteile gibt es noch neu in Onlineshops. Blechteile, Sturzteile, Vergaser und komplette Motoren sind aber selten geworden. DIe MZ-Nachbauteile gibt es wie bei Simson meistens in vier Qualitäten: Nachbauschrott für die Tonne ab Werk, Ersatzteile mit Änderungen anpassbar, oder 1:1 brauchbar für den dreifachen Preis. Dieser dreifache Preis zahlt sich nach meinen Erfahrungen auch dreifach aus, weil die Teile passen und halten. Die vierte Quelle sind gebrauchte MZ-Ersatzteile, die es aber nicht immer gibt. Bei Bremsbelägen, Bowdenzügen und Simmerringen sollte man ohne Nachdenken unbedingt gleich die beste Qualität nehmen. Ersatzteile kosten für MZ-Oldtimer als Faustregel ungefähr doppelt so viel wie für eine 50er Simson. Sehr nützlich ist die Anschaffung einer weiteren MZ ES als Ersatzteilspender zum ausschlachten.

 

Muss man wie bei Simson spätestens alle 5000 km die Zündungsteile wechseln?

Wartungsfrei ist die Zündung ebenfalls nicht. Deshalb nach der Grundeinstellung alle 1.000-2.000 km kontrollieren, nachstellen oder bei Bedarf gleich austauschen: Kondensator, Unterbrecher, Schleifkohlen. Die Zündeinstellung ist bei der MZ ES 250/2 nicht so einfach, da die Zündkerze schräg im Zylinderkopf sitzt. Die Ermittlung des OTs ohne Spezialwerkzeug gerät schnell zur unerwarteten Meisterprüfung. Außerdem sollte die Batterie immer gut geladen sein, da es sich um eine Batteriezündung handelt. Es gibt aber kontaktlose Zündanlagen, die völlig wartungsfrei sind (Vape etc.).

 

Wie ist die ES 250/2 im Vergleich mit der moderneren MZ ETZ 250 und der ES 175er Version?

Die ETZ hat eine bessere 12V-Elektrik, eine erheblich wirksamere Scheibenbremse, ein exaktes 5-Ganggetriebe und zwei PS mehr. Neben 20 Jahren gemäßigter Weiterentwicklung sind das die größten Vorteile. Die ES 175/2 hat einen sanfteren Motorlauf und verbraucht etwa 0,5 Liter Kraftstoff weniger auf 100 km.

 

Sind ES 250/2 und ES 175 geländetauglich?

Hier ein klares Jaein: Die große ES Serie ist mit über 150 kg zu schwer fürs Gelände, die Federung ist zu weich und die Schutzbleche sind zu tief herunter gezogen - aber: Die Maschinen sind sehr robust und hart im Nehmen, deshalb kann man sie bis auf die mangelhafte Bodenfreiheit schon mit heutigen Enduros vergleichen. Die große ES Serie hatte 1967 das beste (komfortabelste) Fahrwerk unter allen deutschen Motorrädern. Das war noch zu einer Zeit, in der grobes Kopfsteinpflaster und Feldwege im Straßenverkehr dominierten. Die ES gilt bis heute als die ausgereifteste Gespann-Maschine, die jemals von MZ gebaut wurde... also: Feldwege ja, Sixdays nein.

 

Wieviel kostet eine gebrauchte MZ ES 250/2 bzw. MZ ES 175/2?

Wie bei Simson gilt auch hier - die Frage ist falsch, sie muss lauten: Was ist Euch eine 40 Jahre alte MZ wert? Die Preise schwanken stark. Angeblich sind alte MZ-Modelle und MZ-Oldtimerteile mittlerweile im Osten der Republik teurer als im Westen. Eine gebrauchte Maschine mit ein paar Macken, leicht reparaturbedürftig aber halbwegs unverbastelt und vollständig gibt es ab ca. 800,- EUR mit Einschränkungen fahrbereit. Wer nochmal 800,- EUR an Teilen investiert, hat ein halbwegs zuverlässiges 19 PS-Motorrad ohne Komfort mit optischen Mängeln. Nicht verheizte NVA-Versionen sind viel seltener und daher teurer. Restaurierte MZ ES/2 Gespanne wechseln gern für mehr als 3.000,- EUR den Besitzer. Eine gute Restaurierung ist aber meist noch viel kostspieliger, deshalb macht man kein zwingend schlechtes Geschäft. Die Preise für alte MZs ziehen derzeit gerade ganz deutlich an. Gerade nach der Schließung des MZ- Werks 2008 wurden die Motorräder für Sammler noch viel interessanter. Die Unterhaltung der Maschinen ist aber immer noch sehr günstig und liegt im Bereich eines 50er Motorrollers plus TÜV-Gebühren. Eine AU ist nicht notwendig, auch in Umweltzonen darf mit Zweirädern gefahren werden.

 

Ich habe ein altes MZ Gespann ES 250 Bj 1972. Das Mopped wurde mal restauriert...

...wurde einmal gefahren und steht seit 12 Jahren in der Garage. Ich würde es gerne fahren, kann aber nicht schrauben. Kennst du jemanden der mir das Teil überholen kann?"
12 Jahre Standzeit könnte gerade noch so gut gehen ohne die Motordichtungen alle neu zu machen, wenn das Dein Vorgänger mit gutem Material schon gemacht hat (Viton Simmerringe etc). Ansonsten frisch ans Werk: Neue Batterie rein, gucken ob die Kerze im ausgebauten Zustand mit Massekontakt im Dunkeln funkt, Reifen aufpumpen bzw. eher gleich mit Schläuchen wechseln, Getriebeölstand prüfen, Vergaser säubern, Benzinhahn säubern, Tank säubern, leeren bzw. schlimmstenfalls entrosten. Danach 2-Takt Gemisch erstmal 1:33 (später 1:50 einfüllen) und dann gucken ob sie anspringt:

Choke / Starthebel aufmachen und ohne Gas ein paarmal käftig treten. Schieben im 2. Gang ohne Choke geht auch, aber ein Helfer ist dann bei Anfängern Gold wert. Wenn Sie anspringt, den Choke bei normalen Temperaturen möglichst zügig zurückstellen und die ersten Kilometer ganz vorsichtig fahren.

Dem Motor nicht gleich Leistung abverlangen sondern mit wenig Kraft ganz leicht ziehen lassen. Er muss von selbst ziehen wollen. Dreht der Motor im Leerlauf von allein ständig hoch, tourt nur langsam oder gar nicht ab und klingelt - das klingt ungefähr wie das Geräusch einer elektrische Kaffeemühle - zieht er wahrscheinlich "falsche Luft". Das ist schon nach ein paaar Minuten tödlich, alsoschnell ausmachen und Ansaugsystem auf Lecks (Forumsuche unter dem Begriff Falschluft durchsuchen) untersuchen. Geht die MZ im Stand eher aus und Du musst tendenziell dauernd Gas geben, oder das Standgas ist zufälligerweise korrekt ( bei der ES 250/2 sehr unwahrscheinlich) kannst Du vorsichtig losfahren und gucken ob auch die Bremsen halbwegs funktionieren.

Ich weiß nicht wo Du wohnst und daher kenne ich auch keinen, der mal vorbei kommen könnte um Dir zu helfen. Aber im MZ-Forum brauchst Du Dich nur anmelden und sie helfen Dir bedingungslos sofort, wenn Du a) weiblich bist - oder b) auch wenn Du männlich bist und nett fragst. Kurzum, sicherlich gibt es auch in Deiner Stadt jemanden, der Dir helfen kann das Gespann ohne viel Geld auszugeben erstmal wieder ans Laufen zu bekommen. Der weitaus schlimmere Teil mit dem Moped beginnt eher im Alltagseinsatz, wenn die 40 Jahre alten Schätzchen jeden Tag unbedingt zuverlässig laufen müssen.  Deshalb ist es bei MZ langfristig gut, die wichtigsten Alltags-Schraubereien selbst zu beherrschen.

Was Du auf keinen Fall machen solltet:
Versuchen mit altem, rostigem Sprit den Motor anzutreten
Ohne Getriebeöl ein paar Kilometer rumzufahren
Mit fast platten Reifen zur Tanke zum Aufpumpen losfahren - die Ventile können abreißen
Mit dreckigem Vergaser, Benzinhahn oder Tank mal gucken ob sie anspringt: Danach
      musst Du stundenlang den Vergaser zerlegen und alles peinlich genau reinigen

Wenn Du sie in eine Werkstatt bringst gibt es ungefähr genau 3 Möglichkeiten:
Du findest einen verliebten Fan-Schrauber, der die MZ für kleines Geld wieder zum Leben erweckt
Du zahlst richtig viel Geld - wie das in Werkstätten nornmalerweise so ist, so a la "schade dass an
      der ES noch kein Anschluß für MZ Werks-Diagnosesoftware ist"...
Du darfst zugucken, zahlst & lernst einfache Reparaturen mit Büchern und Interesse langfristig selbst auszuführen

 

Kann man an einer MZ alles selbst reparieren?

In der Tat gilt eine MZ als sehr reparaturfreundlich. Insbesondere, wenn man sich mit der Materie "DDR-Zweirad" auskennt. Die MZ-Serien entstammen alle einem intelligenten Baukastensystem, welches eine sehr ökonomische Produktion ermöglichte und Ersatzteile durch die MZ-Modellpalette bis heute austauschbar macht. Der technische Aufbau eines Simson Kleinkraftrads à la SR50 oder Schwalbe ist beispielsweise sehr ähnlich. Prinzipell kann gleich jede|-r geschickte Handwerker|-in mit einem guten MZ-Reparaturbuch losschrauben. Allerdings gehört die (De-) Montage des kompletten Motors ganz sicher NICHT dazu. Hier benötigt man etwas Spezialwerkzeug und vor allem eine ganze Menge MZ Know-how. So muss bei der Montage des Zylinders z.B. das Spaltmaß eingestellt werden, das Spalten und Zusammenbauen der Motorhälften darf nur mit Wärme und Kälte geschehen, die Lager müssen "frei geschlagen" werden usw. Den ausgebauten Motor kann man aber problemlos zum Regenerieren zu einer MZ-Motorinstandsetzung schicken. Seriöse Profis machen erst nach Begutachtung des jeweiligen Verschleißzustands ein Angebot für die Instandsetzung inklusive der Ersatzteile.

 

Was bedeutet der Namenszusatz MZ "Trophy"?

MZ gewann in den ab 1963 fünfmal hintereinander die heutigen "Sixdays" und setzte sich damit ein Denkmal. Das Sechstagerennen gilt als die Enduro-Weltmeisterschaft mit internationalen Mannschaften. Der britische Motorsportverband vergab 1949 einen Wanderpreis, den "FIM-World-Trophy", daher wurde das Rennen früher auch einfach Trophy genannt. 1969 erhielten einige MZ-Modelle wie die MZ ES 250/2 und MZ ES 175/2 neben 2 PS mehr stolz den Schriftzug "Trophy" am Tank. Es wurden auch geprägte MZ-Tankdeckel mit dem Trophy-Emblem versehen. Der begehrte Preis wurde später durch einen Pokal - die sogennte "Silbervase" - ersetzt. Erst 1987 konnte MZ mit dem DDR-Team noch einmal die Trophy gewinnen.

 

Was bedeuten "Hufu, Eisenschwein, Fernsehlampe, rasende Taschenlampe, Wedi, Stino...?"

Hufu = MZ Hundertfünfzig
Zwofu = MZ Zweihundertfünfzig
Eisenschwein = Kosename der MZ ES 250 und ES 175, vielleicht weil alles aus massiven Blechteilen gefertigt ist.
Fernsehlampe oder rasende Taschenlampe = MZ ES Kosenamen aufgrund der Tank-Scheinwerfergestaltung
Wedi = Siri = Wellendichtring = Simmerring
Stino = Ostdeutsche Abkürzung für stinknormal
Naturchrom = Rost
HD = Hauptdüse, LLD= Leerlaufdüse, KW = Kurbelwelle
Esse, Emme, Sachsen-Harley, Etze, Ätze = MZ Motorrad
Kilo-Emme = MZ 1000 S



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