MZ Bremsen optimieren

 

Bremsleistung der 40 Jahre alten MZ-Trommelbremsen optimieren

Weder die vordere noch die hintere Trommelbremse der MZ protzen gerade vor Bremsleistung. Die Motorrad-Bremsen der MZ sind für die gemächlichen Verkehrsverhältnisse von vor 40 Jahren konstruiert worden. Grund genug sich ausgiebig mit der optimalen Einstellung und Wartung der antiquierten MZ Bremsen zu beschäftigen um zumindest mittelmäßige Bremsleistungen zu erhalten. Bei einer Vollbremsung zählt schließlich jeder halbe Meter, an die Bremsleistung moderner Zweiräder wird man bei einer alten MZ wie der ES 250/2 aber nicht gelangen.

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Alle folgenden Tipps zur Bremsenwartung sind ausdrücklich ohne Gewähr und nur für Leute, die sich mit Brems-Instandsetzung und Trommelbremsen wirklich auskennen! Sonst bitte eine fachkundige Werkstatt aufsuchen! Auf der Simson Webseite Bremsleistung verbessern gibt es viele weitere Tipps zu Trommelbremsen made in GDR.

 

Die MZ Vorderradbremse


Gegen das Prinzip der Trommelbremsen selbst ist zunächst nichts zu sagen. Eine Scheibenbremse verzögert zwar bauartbedingt besser, aber die Trommelbremsen liegen dafür geschützt gegen Dreck und Nässe in den Radnaben. Leider hat man bei der Vorderradbremse der MZ 250/2 - damals auf den Erfahrungen des Geländesports basierend - einen kurzen, innenliegenden Bremshebel verwendet. Durch diese schmutzrestistente Konstruktion sind an der Vorderradbremse hohe Handkräfte erforderlich. Deshalb ist es wichtig, dass alle bewegten Bremsteile leichtgängig sind.

Das A und O einer guten Vorderradbremse ist ein leichtgängiger Bowdenzug ohne Risse, Biegungen, Knicke oder Dreck. Man sollte ihn sparsam so mit Getriebeöl schmieren, das eventuell überschüssiges Öl keinesfalls in die Bremse laufen kann. Alle Hebel, Achsen und Bowdenzugnippel werden mit Fett geschmiert. Die Beläge an den Auflageflächen des Bremsschilds und der Bremsschlüssel ("Spreizachse") werden gesäubert und sparsam mit hitzefester Kupferpaste abgeschmiert. Dafür muss man die Bremsbeläge natürlich abmontieren. Und genau so wieder zusammenbauen - die Beläge dürfen nicht vertauscht eingebaut werden!

Es ist peinlich genau darauf zu achten, das die Bremsbeläge selbst keinerlei Fett, Öl oder sonstiges Schmierzeug abbekommen, sondern staubtrocken sind. Schon der Kleinste Fettfleck beeinträchtigt die Bremsleistung deutlich. Falls es doch passiert - sofort mit Spiritus abwaschen. Richtig verölte Bremsbeläge sind Schrott, man darf sie keinesfalls mehr benutzen! Die Fläche der Trommel wird mit Bremsenreiniger vorgereingt, mit feinem Schmirgelpapier (150-200er) abgezogen und mit Spiritus entfettet. Besteht schon ein leichter Grad an der Bremstrommel sollte man diesen mit gröberem Schmiergelpapier zumindest entschärfen. Haben die Trommeln bereits starke Riefen müssen sie ausgedreht oder getauscht werden.

Beim Anziehen der Vorderradachse sollte der Bremshebel vorn fest angezogen werden, damit sich das Bremsschild exakt zentriert. Dies verhindert schleifende Bremsbeläge und sorgt für einen leichten Lauf des Vorderrads. Zur Not kann man einen Spanngurt oder Draht nehmen, da man für diese Aktion eigentlich drei Hände braucht. Auch nur leicht schleifende Bremsen kosten Benzin, Leistung und Endgeschwindigkeit. Die Vorderradbremse kann einzig und allein über die Rändelschraube am Bremsgriff eingestellt werden.

Einige MZ-Freaks haben eine leistungsfähige Duplexbremse anderer Motorrad-Marken eingebaut.

 

Die MZ Hinterradbremse


Bei der MZ Hinterradbremse verfährt man bis auf den Bowdenzug genauso wie vorn. Die Hinterradbremse verfügt über einen langen, außenliegenden Bremshebel, der eine etwas bessere Bremswirkung als die Vorderradbremse hat. Dank der Verzahnung auf den Achsen kann man sämtliche Hebel einstellen:

die gewünschte Höhe des Fußbremshebels
das Spiel bis die Bremse fest zupackt mit einstellbarer Flügelmutter (bzw. mit Zwischenlagen)
die Stellung der Hebel zueinander - die optimale Bremsleistung entsteht laut Hebelgesetz bei 90 Grad



Bild oben: Bei voll gedrücktem Fußbremshebel sollte das MZ Bremsgestänge möglichst rechte Winkel zu den Bremshebeln einnehmen. Lässt sich die Bremse aufgrund etwas abgefahrener Bremsbeläge nicht mehr vernünftig einstellen, kann man Zwischenlagen in verschiedenen Dicken verwenden, die einfach zwischen Bremsbelag und Bremsschlüssel gelegt werden. Die Beläge werden dadurch weiter auseinander gespreizt, ohne das der Bremsschlüssel bereits weit verdreht voreingestellt werden muss.



Bild links: Hintere MZ Trommelbremse mit selbstgebauten 0,5 mm Zwischenlagen aus Alu, geschmiert mit hochtemperaturbeständiger Kupferpaste. Zwischenlagen aus Stahl sind besser, da sie weniger nachgeben. Bild rechts: Der klassische MZ-Bremslichtschalter aus der Steinzeit in der Bremsankerplatte kann einem den letzten Nerv rauben, wenn man die Bremse verstellt oder neue Beläge montiert hat. Das kleine Ding ist sehr launisch.

 

Neue MZ Bremsbeläge einbauen


Beim Kauf von neuen Bremsbelägen keinesfalls Billigdinger verwenden, die Bremswirkung ist hundsmiserabel und die ABE erlischt, da die Beläge keine Zulassung haben (kein Wunder). Gute Beläge für die MZ gibt es z.B. von Ferodo oder EBC und kosten pro Satz ca. 30,- EUR. Wer die dafür nicht übrig hat sollte nicht Motorrad fahren.



Neue Bremsbeläge müssen sich an die eingelaufene Bremstrommel der MZ erst anpassen. Das geschieht entweder durch hunderte von Bremsungen oder durch das sogenannte "Bremsen einfeilen". Dies ist gerade bei älteren MZ Motorrädern oft unvermeidbar, da sie nur selten die gesamte neue Belagfläche exakt an die bereits eingelaufene Bremstrommel pressen können: Die Geometrie passt einfach nicht. Gerade dann, wenn Zwischenlagen verwendet werden, weil die Bremstrommel schon weiter abgefahren ist, kommt man um das langwierige Nachfeilen oft nicht herum. Die Prozedur läuft erfahrungsgemäß so ab:


Meine neuen Bremsbeläge mit zu wenig Anpressfläche nach ca. 500 km - einfaches Einfahren hilft hier nicht weiter.


Rad ausbauen, neue Beläge montieren, vorher die Kanten seitlich mit Schleifpapier brechen, Rad einbauen und vorsichtig eine erste Testfahrt mit ein paar kräftigen Bremsungen starten. Die Bremsleistung ist trotz nagelneuer Marken-Beläge oft sehr unbefriedigend. Also Rad wieder ausbauen und gucken, wo die Bremsbeläge bereits anliegen. Die Fläche ist meist erschreckend klein und durch die große Hitze auf der kleinen Fläche bereits "verglast" - also mit einem glänzendem Belag überzogen.

Also nimmt man sich eine große Feile und feilt die Beläge so nach, dass möglichst die ganze Fläche des Bremsbelag anliegt. Rad wieder einbauen, Probefahrt und siehe da - es bremst schon spürbar besser. Diese Prozedur wiederholt man so lange, bis ein zufriedenstellendes Ergebnis eintritt. Zwei- bis dreimal raus-feilen-rein-testen sind nach meinen Erfahrungen normal. Nehmt Euch für die Montage neuer Bremsbeläge an der MZ vorn und hinten ruhig einen ausgedehnten Nachmittag Zeit ... es ist sehr gut investierte Zeit für ein langes, gesundes Leben.


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