MZ Aluminium -Teile polieren

 

Hochglanzpolitur von alten Motorrädern am Beispiel der MZ

Auf Motorrad-Treffen und in Foren sieht man es häufig: Auf Hochglanz polierte Teile mit Chromfinish sehen an alten Motorrad-Klassikern einfach super aus. Der "Blink-blink-Effekt" wirkt gerade an alten Schätzchen unglaublich attraktiv, weil dieser im direkten Kontrast zur Oldtimer-Patina steht und dadurch verstärkt wirkt.

Besonders reizvoll an klassischen MZ-Motorrädern ist die Tatsache, dass in der DDR kaum Material-Ressourcen für unnützen Chrom & Co bei Luxusgütern eingeplant waren. An Ost-Kraftfahrzeugen wurde damit staatlich gegeizt wo es eben ging. Andererseits brauchte man Devisen durch den Export von Motorrädern in das westliche Ausland. Hier waren Chromteile Standard. Also wurde - um den Weststandard zu halten - nur etwas Chrom verbaut und an den Exportmodellen zusätzlich einige Aluminiumteile auf Hochglanz im Chromfinish poliert.


Vorher betonmauermatt - nach dem Polieren spiegeln sich sogar die Beine des Fotografen in den polierten Teilen. Die Federbeinschraube und die Achmutter sind neu.


Dies war damals und heute für viele MZ-Fahrer|-innen Anlaß genug viele, blassgraue Aluminiumteile selbst auf Hochglanz zu bringen. Das kostet nicht viel, ist aber je nach Teil sehr arbeitsintensiv und muss für dauerhaften Glanz in Schuß gehalten werden. Nachdem ich einige winzige Teile aus Spaß poliert hatte, konnte auch ich mich diesem glänzenden Charme nicht entziehen, da schnelle Erfolge eintrafen. Also kaufte ich mir eine kleines Polierset für die Bohrmaschine, Schmiergelpapier und eine Tube Metallpolitur. Ich zeige hier das Ergebnis von ca. 8 Stunden Arbeit unter suboptimalen Bedingungen für ehrgeizige Bastler und Garagenschrauber. Um es gleich vorwegzunehmen: Es ist eine saudreckige Fleißarbeit, dafür wird man aber mit tollen Erfolgserlebnissen belohnt.

 

Die nötigen Werkzeuge zum Polieren von Metall an Motorrädern

Kommen wir zu den Polier-Werkzeugen. Mit glatten Aluminium-Kleinteilen beginnen kann jeder, der sich mit einer Tube Chrom- oder Aluminiumpolitur und zwei Baumwolltüchern bewaffnet. Ein kleines Tuch ist nur zum Auftragen der Chrom- oder Alupaste und zum Verreiben unter hohem Kraftaufwand. Das zweite (wichtig!) etwas größere und saubere Tuch ist dafür da, das schwarz-schmierige Aluminiumoxid von den Teilen wieder abzureiben. Erst dann fängt es nach ein paar Minuten Poliererei an zu glänzen. Blinde Flecken, kleine Kratzer und angegriffene Metall-Oberflächen bekommt man mit einem eingeseiften Stahlwollekissen ("Ako-Pads") und Chrompolitur wieder hin. Dieser Vorgang funktioniert aber nur an schon glatten Aluminiumteilen, die nicht lackiert- oder anderswie oberflächenbehandelt sind. Davon findet man z.B. an der MZ ES 250/2 massenhaft !





Für raue, sand- oder kugelgestrahlte Aluminiumteile benötigt man darüberhinaus:

wasserfestes Schmiergelpapier z.B. in der Körnung 280, 400, 600
Einen Schrubber für Alu bzw. Weichmetall ( z.B. Nylonbürste, Putzwollevorsatz) zum Einspannen in die Bohrmaschine
ein kleines Polierset zum Einspannen in die Bohrmaschine bestehend aus einem Stück Polierwachs und einer
      festen Baumwollpolierscheibe und evtl. noch eine weiche Baumwollpolierscheibe mit blauem Polierwachs
Eine Schutzbrille, Handschuhe und am besten eine einfache Atemschutzmaske
die Arbeitsumgebung und die Kleidung werden durch den Alu-Abrieb sehr dreckig, am besten draußen ...

Profis benutzen statt Bohrmaschine natürlich einen fest installierten Polierbock und drei Wachssorten
Sind die Teile z.B. mit Klarlack lackiert, sollte man sie vorher versuchen abzubeizen. Das Abschleifen ist zuviel Arbeit.


 

Polier-Vorgang am Beispiel des MZ-Lichtmaschinendeckels

Beginnen wir gleich mit einem ehrgeizigen Projekt: Der Alu-Lichtmaschinendeckel meiner alten MZ ES 250/2 sollte glänzen. Leider war das Aluminium nicht schon glatt, sondern kam vor über 40 Jahren aus einer rauen Form mit Gusskanten und einer pickeligen Oberfläche, die kugelgestrahlt aussieht. Polierpaste hilft hier nicht weiter. Erstmal muss die Oberfläche maschinell geglättet werden. Dazu habe ich den Lima-Deckel zunächst mit 400er Schmiergelpapier mit der Hand nass abgeschliffen.


Die raue Oberfläche ist ohne professionelle Schleifmaschine nur schwer zu glätten. Das Entfernen der Poren ist äußerst mühsam. Für den unteren Teil muss der Deckel vom Motorrad demontiert werden. Danach wird mit dem oben abgebildeten Alu-Schrubber als Bohrmaschinenvorsatz ca. eine Stunde geschliffen.



Um Riefenbildung zu vermeiden habe ich im Kreuzschliff geschliffen. Nach dem Schleifen sieht man an dem Limadeckel, dass die Alu-Gussverfahren vor über 40 Jahren noch einige Krater an der Obfläche verursachten.



Nach dem Schliff habe ich die Oberfläche nochmal mit einem geseiften Stahlwollekissen ("Ako-Pads") abgerieben, um Kratzer und Riefen zu minimieren. Danach erhält man ein mattes, scheckiges Aluminiumteil. Natürlich kann man jetzt auch nochmal mit 600er Schmiergelpapier nass nachschleifen. Ich hatte mangels Elektrowerkzeug und müden Armen keine Lust mehr ....



Der eigentliche Poliervorgang mit dem festen Baumwollaufsatz und braunem Wachs macht Freude. Innerhalb von fünf Minuten kann man sich in dem Teil spiegeln. Danach kann nochmal mit dem weichen Poliervorasatz und dem blauem Wachs nachpoliert werden. Zum Schluß unbedingt gründlich mit Alu- bzw. Chrompaste drübergehen, abputzen und nach der Montage am Motorrad mit einem sehr sauberen ( ! ) Tuch nachpolieren.

Als Anlaufschutz empfiehlt sich Autohartwachs, allerdings habe ich mit dieser temporären Versiegelungstechnik, die bis zu einem Jahr halten soll noch keine Erfahrung. Aber auch die ungeschützte Alu-Oberfläche kann ein- oder zweimal im Jahr durch ganz einfaches Aufpolieren mit Chrompaste und einem Tuch mühelos wieder hergestellt werden. Das macht bei einem alten Motorrad-Klassiker wie der MZ zum Saisonstart dann auch Spaß.

Nachtrag: Zur Zeit probiere ich als Korrosionsschutz die Tinktur "Alu-Magic" (ca. 9,- EUR) aus. Dieses Produkt wird von Oldtimerfans neben einem perfekten Oberflächen-Finish vor allem als Geheimtipp gehandelt, um Aluminium vor Korrosion zu schützen. Es riecht nach Petroleum in etwa wie die Polierwatte "NeverDull". Bisher habe ich damit sehr gute Erfahrungen gemacht, auch an Chromteilen wie dem Auspuff, der naturgemäß sehr warm wird.

 

Polierte Oberflächen der MZ im "Vorher-Nachher Vergleich"


Poliertes MZ Federbein (Arbeitaufwand 5 Min.)


Polierter MZ Nabendeckel und teilpolierte Felge (Arbeitaufwand 30 Min.)


Poliertes MZ Kupplungsgehäuse (Arbeitaufwand 90 Min.)


Polierter MZ Lichtmaschinendeckel (Arbeitaufwand 180 Min.)


Nochmal polierter Lichtmaschinendeckel im direkten Vergleich. Natürlich kann man mit den entsprechenden Werkzeugen wie fest stehendem Polierbock statt Bohmaschine, Dreieckschleifer usw. noch viel mehr Glanzeffekt rausholen.


Nachtrag: Polierte MZ Teile



Die Vergaserabdeckung der MZ ist ein begehrtes, recht teures Teil und ich habe sie nach langer Suche erst viel später bekommen. Mit viel Liebe wurde daher versucht, die ursprünglich raue Alu-Oberfläche zum Glänzen zu bekommen. Hach einer Schmiergelorgie mit 320er und 400er Körnung nass sowie unbefriediegender Zwischenpolitur verwendete ich 320er "Putzwolle" aus dem Baumarkt. Das Aluminium wurde dadurch stumpf und sehr glatt. Erst nach zwei Stunden und vielen Zwischenschliffen war ich mit der Politur halbwegs zufrieden. Die Schraube aus dem Möbelbereich war ursprünglich gelblich matt chromatiert... (Arbeitaufwand 120 Min.)


Stumpf verzinkte Teile aus dem Baumarkt bekommt man mit dem Poliervorsatz der Bohrmaschine in einer Minute zum Glänzen. Sie sehen dann fast aus wie verchromt und passen vor allem zum klassischen Look eines Klassiker-Motorrads. Neue Schrauben aus dem Baumarkt wirken unbehandelt nämlich wie Fremdkörper an der alten MZ. Allerdings muss die Oberfläche wie bei Aluminium auch hier zusätzlich vor Korrosion geschützt werden.


Polierte MZ Fussraste, die Oberfläche ist ab Werk ursprunglich "Betonmauergrau verzinkt" (Arbeitaufwand 5 Min.)


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