SIMSON Wissen - Tipps für den SR50 Gebrauchtkauf

 

Die SR Modellauswahl - Insiderwissen

Die klassische Simson SR 50 wurde von 1986 bis 1990 weiterentwickelt. Das Nachfolgemodell des SR 50 hieß "SR 50 Gamma" und durfte nur noch 50km/h fahren. Zusätzlich gab es auch vor der Wende schon gedrosselte BRD-Versionen mit dem Namen "SR50 Bunny" und nach der Wende eine "SR 50 Classic-Version".

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Wirklich interessant sind heute natürlich die echten 60 km/h Versionen. Und die gab es nur bis 1990, bzw. müssen sie laut Kraftfahrt Bundesamt "vor dem 1. März 1992 erstmals angemeldet gewesen sein" um auch jetzt noch mit 60km/h fahren zu dürfen. Für andere Simson Kleinkrafträder gilt das übrigens auch. Achtet beim Kauf also genau auf das Baujahr bzw. den 60 km/h Eintrag in den Papieren.

Die Typen-Bezeichnungen

Bei der Modellwahl gibt es aber noch andere Fallstricke. Es gibt 3- und 4-Gang Versionen. Die 4-Gang Version ist besser abgestuft, insbesondere wenn man in einer bergigen Region oder auch mal mit Sozius fahren möchte. Des weiteren gibt es verschiedene Komfortausstattungen: Die zuletzt gebaute "1B"-Serie mit Blinkern (wichtig!), die "CE"-Serie mit elektr. Anlasser (unwichtig), die "1C"- Serie mit Halogenscheinwerfer und 5-fach verstellbaren Federbeinen (mein persönlicher Favorit). Die besseren Versionen ab C haben eine kontaktlose, sprichwartungsfreie Zündung. Meiden Sie nach Möglichkeit die erste "N"-Version: Schlechtes Licht und eine mit Monozellen(!) betriebene Hupe werden nerven - außer man plant sowieso den Einbau einer besseren Zündung. 1989 wurden die Simson Typen-Bezeichnungen des SR50 geändert:

Bezeichnungen bis 1989:

Bezeichnungen ab 1989:

SR 50 B4 SR 50/1 B
SR 50 C SR 50/1 C
SR 50 CE SR 50/1 CE
SR 80 CE SR 80/1 CE


Die Elektrik

Die älteren Modelle haben teilweise noch eine 6 Volt Elektrik ohne Bremslicht (ab 1989 Serie) mit 25W Teelicht als Scheinwerfer. Hier würde ich eher abraten, zumal auch der Korrosionsschutz etwas schlechter ist als bei den späteren Modellen, bei den schon viele Teile pulverbeschichtet waren. Als ich das erste Mal abends im Dunklen mit meiner 12V-35W Bilux Funzel gefahren bin, habe ich im wahrsten Sinne des Wortes ziemlich sparsam geguckt... ein Umstand der nicht so einfach mit einer Halogenlampe ("HS1-Scheinwerfer") zu ändern ist, da die Zündanlage auch in der 12V-Version dafür einfach nicht genug Leistung liefert.

A propos Zündanlage

Die besseren Modelle haben eine elektronische Zündung, die wartungsfrei arbeitet, den Zündkerzenverschleiß vermindert und den Verbrauch etwas verringert. Bei den mechanischen Kontakzündungen muss man die Zündung häufiger nachstellen - keine schöne Sache, denn dazu muss umständlich das rechte Trittbrett abgebaut werden. Um den Kontakt oder den etwas störanfälligen Kondensator zu wechseln benötigt man einen Polradabzieher und Geduld. Dieses Gefummel hat schon viele dazu getrieben, sich für ca. 150,- Euronen nachträglich den König der Simson-Zündungen einzubauen: Die sogenannte "Vape-Zündanlage", drehzahlfest bis 16.000 U/min, standfest und verschleißfrei. Sie ist ein echtes Verkaufsargument. Wenn sie eingebaut ist, brauch man sich um die Zündung eigentlich nie mehr zu kümmern.

Wie und wo kauft man am besten eine Simson?

Der einfachste Weg ist, sich möglichst ein gutes und unverbasteltes Exemplar für einfach etwas mehr Geld als nötig zu kaufen. Das Moped sollte fahren, unfrisiert und verkehrsicher sein und keine gravierenden Mängel haben. Modelle in einem richtig gutem Zustand sind zumindest in den alten Bundesländern eher selten anzutreffen und dadurch relativ teuer. Ist die Simson frisiert versucht unbedingt die Originalteile zu bekommen, weil ihr sie selbstverständlich zurückbaut. So ist z.B. der Original 50ccm DDR-Zylinder ein sehr begehrtes Teil - auch mit Kolbenfresser. Jeder regenerierte 50er DDR-Zylinder ist besser als ein billiger 60ccm-Satz aus Rumänien, der nur 3000 km hält.

Oder man kauft sich für weniger Geld ein Fahrzeug in schlechterem Zustand und baut dieses wieder auf. Das machen viele, die billigen Ersatzteile und eine neue Wunschlackierung im Kopf, ist man zunächst motiviert. Rechnet man am Schluß aber alles ehrlich zusammen, kommt da schnell ein Betrag von über 1000,- EUR für Roller, Teile und das notwendigste Werkzeug zusammen.

Achtung: Eine vergammelte Simson kann zu einem echten Groschengrab werden!

Die Teile sind einzeln relativ günstig. Brauch man kistenweise davon, wird es plötzlich unverhältnismäßig teuer, zumal viele sogenannte "Replika-Teile" aus Onlineshops ganz billiger Schrott ist, der überhaupt nichts taugt, sondern schon beim ersten Einsatz kaputt geht. Mein Tipp: Lieber gleich einen zweiten Roller kaufen und den dann ausschlachten. Hier hat man dann auch noch die Option, einige Bauteile der moderneren Gamma-Version zu verbasteln, wenn man sich damit genau auskennt. So ist z.B. die Scheibenbremse des neueren 50km/h Modells ein echter Segen.

Alle Simsons sind im Osten des Landes grundsätzlich viel günstiger als in den alten Bundesländern. Auch die Auswahl ist viel größer - man kann sich sogar eine Farbe aussuchen. Jeder Landwirt hat im Osten noch 'ne Simme in der Scheune. Hier im Westen ist es schon schwieriger, weil sie selten, gesucht, kultig und damit automatisch teurer sind. Bei Ebay sind sie oft viel teurer als auf Oldtimermärkten oder in Zeitungsannoncen. Ein guter Kompromiß ist die Onlinesuche z.B. bei mobile.de oder motoscout24.de. Wer sich nicht soviel Schrauberei zutraut und Risiken aus dem Weg gehen will, sollte gleich zu einem Simson-Händler gehen. Hier sind die Gebrauchtfahrzeuge wenigstens einmal durchgesehen worden und sollten vernünftig fahren. Übrigens ist das sicherlich nicht die dümmste Entscheidung - aber auch nicht die preiswerteste!

Transport

Für den Transport benötigt man übrigens einen Anhänger, einen kleinen Bus oder ein Fahrzeug a la VW Caddy. In einem großen Kombi läuft sonst beim seitlichen Hinlegen des Rollers Benzin, Getriebeöl, Gabelöl und Batteriesäure aus. (Kann man aber vielleicht vorher umfüllen?) Außerdem dürfte es auch diagonal eng werden. Die Lieferkosten für Zweiräder per Spedition sind nicht gerade billig: So 150,- EUR muss man rechnen für 200 km. So ähnlich siehts nach meinen Erfahrungen mit dem Leihen eines Lieferwagens aus. Ganz Mutige können natürlich einfach gleich selbst mit dem Moped nach Hause fahren. Eine Panne wäre natürlich dann ein echter Albtraum. Ich würde das nur dann machen, wenn der Verkäufer fest verspricht, dass es kein Problem geben wird oder dass jemand helfen kann wenns schief geht. Für 200 km braucht man ungefähr 4,5 Stunden ... also Thermoskanne und Ei-Brötchen nicht vergessen. Zitat aus dem Forum:

"Falls du den SR50 liegend transportieren willst, nicht auf die Auspuffseite legen sonst kommt Öl aus der Abtriebswelle gelaufen, Batterie ausbauen und Tank soweit leermachen, daß nichts raussuppt. Habe meine damals im Escort transportiert, einfach nur das Vorderrad raus und hat gepaßt. Nimm genügend Polstermaterial wie alte Decken, Lumpen und Lappen mit. Ein paar Werkzeuge schaden auch nichts. Schraub die Telegabel, Hinterrad und den Auspuff vor dem Transport ab, dann passt der SR sogar innen Polo. Nimm ein Kleinwagen mit Heckklappe und um/ oder ausbaubaren Rücksitzen. Ein Twingo z.B. eignet sich da hervorragend, richtig gepackt passen da sogar zwei Simmen rein. Länge: 1,79m Breite: 0,70m Höhe: 1,19m..."

Farbe

Von einer neuen Lackierung rate ich erstmal ab: Es ist eine Schweinearbeit, die immer wieder unterschätzt wird. Es lohnt sich nur dann, wenn das Moped mal eine Saison zur Zufriedenheit gelaufen ist und einem die Farbe dann immer noch in den Augen brennt. Eine neue Lackierung können Amateure auch nicht vernünftig mit Sprühdosen machen. Fakt ist: Jeder Oldtimerfreak lackiert so wenig wie möglich, sondern wird immer versuchen den ursprünglichen Lack auszubessern und zu retten. Jeder Neulack raubt den alten Schätzchen die Seele! 20 Jahre Kampfspuren sind 1000mal interessanter als kurzlebiger FlipFlop-Perleffekt-Schwachsinn. Lieber beim Kauf auf eine Farbe achten mit der man evtl. doch leben kann.

Papierkram

Für Sammler sind sicherlich die Original Dunkeldeutschland-Papiere mit dem unverwechselbaren Geruch interessant. Fehlen sie, kann man beim Kraftfahrtbundesamt problemlos neue beantragen. Viele der original DDR-Fahrzeugscheine sind verschwunden. Die bei Ebay angebotenen Blanko-Scheine zum Selbstausfüllen sind mehr als zweifelhaft: Wer auf die Idee kommt seine Daten da einzutragen begeht Urkundenfälschung. Das Kraftfahrtbundesamt stellt aber für knapp 25,- EUR einen neuen aus, sofern das Fahrzeug nicht als gestohlen gemeldet ist. Sogar ganz bequem online: Einfach das KBA-Formular ausfüllen und nach in paar Tagen kommt der Postbote mit der neuen ABE und kassiert die Gebühr. Eine TÜV-Vorführung ist bei Kleinkrafträdern nicht erforderlich, außer das eingenietete Typenschild fehlt auch.

Weiterhin sollte man unbedingt einen einfachen, schriftlichen Kaufvertrag abschließen. In diesen gehört die genaue Modellbezeichnung, die Rahmennummer (Typenschild sitzt vorne versteckt am Lenkkopf), die Personalausweis- Nummern von Käufer und Verkäufer und eine kurze Zustandsbeschreibung - z.B. frisiert oder nicht würde ich in beiderseitigem Interesse unbedingt angeben. Danach wird noch ein sog. Versicherungs-Kennzeichen benötigt. Dies bekommt man bei seiner Versicherung per Post, direkt beim Zweiradhändler (auch samstags) oder sogar bei Banken für ca. 50 bis 80,- EUR pro Jahr. Das Kennzeichen muss jeweils zum 1. März jedes Jahres erneuert werden. Die Versicherung kann auch vom Vorbesitzer übernommen werden, Datum und Uhrzeit der Übergabe gehören dann natürlich unbedingt mit in den Kaufvertrag.