Fahrrad Winterreifen Test Continental TopContact Winter II

 

Winterreifen für Fahrräder - lohnt sich die Anschaffung von Fahrradreifen speziell für Eis und Schnee?

Fahrrad-Winterreifen Test Seit Jahren liebäugle ich mit Winterreifen für mein Fahrrad. Zum Geburtstag war es dann endlich soweit: Ich ließ mir mitten im heißen Sommer einen Satz "Continental TopContact Winter II" Fahrradreifen schenken. Selbst kaufen kam für mich bei dem stolzen Preis von ca. 100,- EUR pro Fahrrad irgendwie nicht in Frage. Was für manche sicherlich verrückt klingt - nämlich mit einem Fahrrad bei Kälte und Schnee über glatte Fahrradwege und Straßen zu rutschen ist für mich ein Traum, der schon seit tiefster Kindheit in mir steckt. Es macht riesigen Spaß und der Winter ist für Fahrräder eigentlich optimal: Kein Eis kratzen, kein warm fahren, keine leeren Batterien. Aber auch bei mir gibt es Grenzen. So fahre ich mit dem Fahrrad z.B. nie bei Glatteis, weil das wirklich zu gefährlich ist.


Zum Fahrradfahren im Winter benötigt man 4 Dinge:

die richtige Kleidung und Schutzausrüstung
entsprechendes Fahrrad-Fahrkönnen
ein wintertaugliches Fahrrad mit guter Beleuchtung
und natürlich die richtigen Fahrrad Winterreifen...



Winter Profil Fahrradreifen Schon das Profil des Continental TopContact Winter II in der Größe 700 x 37C lässt erahnen wofür dieser Reifen gemacht ist: Schnee, rutschige Fahrbahnen und kalte, nasse Witterung. Hunderte von winzig-weichen Gummilamellen sollen sich mit rutschigen Straßen-, Rad- und Waldwegen sicher verzahnen. Die Gummimischung ist bei Winterreifen ja schon die halbe Miete, die Profile haben sich in den letzten Jahrzehnten von sehr grob ("M+S =Matsch und Schnee") hin nach fein verzahnt entwickelt. Das schafft nicht nur mehr Grip, sondern ist auch gut für den Fahrkomfort und lässt Räder viel leichter rollen, als mit einem Trekkerprofil fürs Feld.

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Profil des Continental Topcontact Winter in der Größe 37-622 Das Winterprofil hat eine Laufrichtung, die beim Aufziehen der Reifen unbedingt beachtet werden muss. Die kleinen Gummizähnchen sind weit nach außen herum gezogen und nehmen dort an Höhe ab, damit sie bei Kurvenfahrten mit Schräglage nicht wegknicken, wie das gerne bei gröberen Stollenreifen im Straßeneinsatz passiert. Hier hat Conti schon mal weiter gedacht, als andere Hersteller. Als optimales Einsatzklima nennt Conti zwischen –25° und +7°C. Laut einiger Presseaussagen kommt der Grip zusätzlich durch Partikel aus Siliziumkarbid, mit denen die Lauffläche des Reifens besetzt ist. Dies galt zumindest für den älteren Vorgängerreifen Contact WInter. Auf der Rückseite der Reifen-Verpackung wird über den "Vectran Schutzgürtel" berichtet, der den Fahrradreifen laut Conti vor Durchstichen schützen - und dadurch äußerst pannensicher machen soll. Mehr Details dazu auf der Continental Produktsite.


Conti CONTACT Winter II - Größen & technische Daten

Continental bietet den Winterreifen in vier Fahrradgrößen an:
50-559   26 x 1.9  schwarz Skin Reflex   660gr   3,0-4,0 bar
55-559   26 x 2.2  schwarz Skin Reflex   750gr   3,0-4,0 bar
37-622   28 x 1.5  schwarz Skin Reflex   530gr   4,0-6,0 bar // das getestete Exemplar
42-622   28 x 1.6  schwarz Skin Reflex   630gr   3,5-6,0 bar


Fahrrad Winterreifen im Schnee Bei der Vorüberlegung, ob Winterreifen fürs Fahrrad angeschafft werden sollen oder nicht, ist es wichtig sich vorher zu überlegen wo, unter welchen Umständen und wie weit man damit fahren will. So ist der Gedanke an die schon länger erhältlichen Spikereifen für Fahrräder sicherlich verlockend, wurde von mir aber schnell wieder verworfen. Mit Spikereifen kann man nur mit hohem Verschleiß und sehr viel Kraft über nicht verschneite- sprich geräumte oder gestreute Winterstraßen fahren. Sie machen nur bei Eis und verharschtem Schnee Sinn. Z.B. in Wintersportgebieten oder in Permafrost-Regionen, wo nicht bis auf den Asphalt geräumt wird, sondern immer eine feste Schneedecke liegt. In allen anderen Fällen stören die zugegeben sehr abenteuerlich aussehenden Spikes. Kommen wir zur Grundfrage zurück: Wo und wie lange fahre ich mit dem Fahrrad im Winter?

Über teilweise nicht geräumte Geh- und Radwege, über Schneewälle, die Räumfahrzeuge so gerne auf der Straße genau dahin kehren, wo sich Radfahrer dann eine Spur aus Salz-Eis und Schneekruste suchen müssen. Über fest gefahrene und festgetrampelte Schneedecken und ebenfalls über nasskalte oder trocken gewordene Taumittel-Straßen. So sieht die Radfahrrealität im Winter in vielen Städten aus. Und da macht es schon Sinn...


Continental TopContact Winter II Test im Schnee Außerdem habe ich persönlich keine Lust dazu, Winterreifen am Fahrrad bei der ersten Frühlingssonne gleich wieder umzuziehen. Deshalb müssen meine Fahrrad-Winterreifen auch auf trockenen Straßen noch leicht laufen. Dies habe ich auf einer längeren Tour schon testen können. Der Continental TopContact Winter II machte aufgepumpt auf ca. 3,5-4 Bar bei minus 2 Grad auf trockener Straße eine ziemlich gute Figur. Im Gegensatz zu den Slick-Reifen, die ich normalerweise das ganze Jahr auf meinem Stevens-Cityflyer fahre, fährt er sich vom Fahrgefühl nur unwesentlich anders, ist aber ein paar Gramm schwerer als Straßenreifen (bei leichten Rennradreifen merkt man den Unterschied sicherlich deutlich). Lediglich bei scharfen Lenkmanövern und giftigen Bremsungen auf trockenem Asphalt reagiert das weichere Zahnprofil mit etwas weniger Präzision, bzw. mit leichtem Wegdriften. Insgesamt etwas teigiger. Für die Leichtläufigkeit ist es natürlich sehr wichtig, dass man die Reifen auch wirklich ordentlich aufpumpt.

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Das straßenverkehrstaugliche Cityflyer-Rad wiegt mit Beleuchtung, Computer, Ständer und Kleinkram ca. 12,5 kg. Auch wenn es auf den ersten Blick nicht so aussieht und bei vielen Fahrrädern kein Thema mehr ist: Aber ich fahre noch mit einem alten AXA-Seitenläufer-Dynamo von 2004 herum und war froh, dass dies durch die relativ glatte Seitenwandgestaltung des Pneus in Form von leicht geprägten Rauten der Top Contact Winter noch möglich ist. Der Dynamo summt ab einer gewissen Geschwindigkeit relativ geräuscharm vor sich hin und erzeugt zuverlässig den gerade im dunklen Winter notwendigen Strom für die Beleuchtung. Wichtig ist, dass die Reibrolle des Dynamos exakt auf die Seitenwände des Reifens eingestellt wird, sonst hoppelt sie am Profil entlang.



An einem kalten Wochenende im Januar 2013 testete ich bei -5 Grad Celsius auf einer festgefahrenen Schneedecke die Wintertauglichkeit der Conti Reifen. Und ich muss gleich vorweg sagen, dass ich rundherum begeistert bin. Der Unterschied zu "normalen Fahrrad-Sommerreifen" ist genau wie beim Auto gravierend. Man kann einfach die Bremsen ziehen und das Fahrrad kommt spurtreu zum Stillstand. Blockiert man die Räder im Schnee mutwillig und löst die Bremsen wieder etwas brechen die Reifen nicht aus. Selbst in verschneiten Kurven folgen sie exakt dem anvisiertem Ziel. Das Fahrgefühl im Schnee gleicht ungefähr dem Gefühl über leicht sandige Böden zu fahren.


Winter-Fahrradreifen auf glatter Fahrbahn Beim Anfahren dreht nichts durch. Selbst Wheelies auf glatter Fahrbahn sind mit dem Continental TopContact Winter II problemlos möglich. Ein kontrolliertes Driften in der Kurve bedingt sehr beherzten Einsatz des Radfahrers, da die Reifen einfach gar nicht driften wollen, sondern ungewohnt treu die Spur halten. Wow, damit hätte ich wirklich nicht gerechnet, daran muss man sich sogar erstmal gewöhnen.



Noch ein verzweifelter Versuch, mit den Conti-Fahrrad-Winterreifen mal ein Stück zu rutschen. Wo sicherlich sofort Schluss mit lustig ist, sind Eisflächen, auf denen auch keine Wintergummimischung mehr Halt findet. Hier kann man dann nur noch mit Spikes punkten. Ein weiterer Alptraum für Radfahrer sind von Autoreifen modellierte Spurrinnen aus Schnee und Eis, die angeschmolzen- und wieder zusammengefroren sind. Auch hier wird es mit den Conti-Winterreifen sicherlich schwierig werden. Winterlichen Extremsituationen konnte und wollte ich aber nicht mutwillig testen.

Die Fahrrad-Winterreifen TopContact Winter II haben mich schon so mit ihren Sicherheitsreserven voll überzeugt. Böse Zungen mögen behaupten es wären überflüssige Spaßbremsen, aber wer sich ernsthaft mit dem Fahrrad unter winterlichen Bedingungen z.B. zur Arbeit bewegt, wird diese Anschaffung sicherlich nicht bereuen. Ich gehe davon aus, dass die Reifen bei rechtzeitigem Tausch nach dem Winter und entsprechender Lagerung (trocken, dunkel, ohne Salzkruste) einige Winterjahre durchhalten können. Wer die weiche Gummimischung oft im Sommer fährt, wird den Reifen im wahrsten Sinne des Wortes verheizen. Interessant wäre natürlich auch ein Vergleichstest mit andern Winterreifen speziell fürs Fahrrad. Wobei die Auswahl für Fahrräder zumindest ohne Spikes sehr gering ist.

Michelin hat zum Winter 2014 den neuen Fahrrad Winter- & Allwetterreifen Stargrip heraus gebracht, den ich ebenfalls testen konnte.

Nachtrag 2016: Die Conti-Reifen wurden 3 Jahre im Winter regelmäßig gefahren und haben sich als echtes Sicherheitsplus in der kalten Jahreszeit entpuppt.


Fazit: Fahrrad Winterreifentest Continental TopContact Winter II

Hoher Anschaffungspreis
Bedingt bei den meisten Radlern zusätzlich zweimaliges Umziehen der Reifen pro Jahr
Auf trockener Straße etwas schwergängiger und unpräziser zu fahren als mit Sommer-Slicks

Spitzenmäßiges Verhalten auf Schnee, Schneematsch und festeren Schneedecken
Kalkulierbare Reaktionen beim Bremsen und in Kurven auf verschneiten Straßen und Wegen
Hoher Gewinn an passiver Sicherheit auch für weniger geübte Radler bei winterlichen Verkehrsbedingungen
Sehr empfehlenswert für alle, die den Winter mit dem Fahrrad durchfahren (müssen)